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Gefängnisse und Lager

Li Sun Ok war Mitglied der Partei der Arbeit, ihr unterstand eine ausschließlich Kadern vorbehaltene Versorgungseinrichtung. Sie fiel einer der ersten regelmäßigen Säuberungen zum Opfer und wurde zusammen mit anderen Genossen verhaftet. Nach schweren Folterungen mit Wasser und Strom, nach Schlägen und Schlafentzug gab sie schließlich alles zu, was man von ihr verlangte, und gestand insbesondere, daß sie Staatseigentum entwendet habe; daraufhin wurde sie zu dreizehn Jahren Gefängnis
verurteilt. Und es handelte sich wirklich um eine Gefängnisstrafe, auch wenn der Begriff »Gefängnis« offiziell nicht gebraucht wird. 

 

6.000 Häftlinge, darunter 2.000 Frauen, arbeiteten in der Haftanstalt wie Tiere, von halb sechs Uhr morgens bis Mittemacht, sie stellten Pantoffeln her, Revolvertaschen, Handtaschen, Gürtel, Zünder für Sprengkörper, künstliche Blumen. Schwangere Gefangene wurden zu brutalen Abtreibungen gezwungen. Wenn doch ein Kind im Gefängnis zur Welt kam, wurde es unweigerlich erwürgt oder erdrosselt.(4)

 

Andere Zeugen berichten, daß Hunger systematisch als Mittel eingesetzt wurde, um die Häftlinge zu brechen. Nicht nur die Menge des Essens war unzureichend, in der Regel wurde auch alles getan, um es ungenießbar zu machen. Reihenweise erkrankten die Häftlinge: Durchfall, Hauterkrankungen, Lungenentzündung, Hepatitis und Skorbut waren an der Tagesordnung.

 

Der nordkoreanische GULag.  Bild: nkhr.org
Der nordkoreanische GULag.
Bild: nkhr.org

Die wenigen Überläufer, die durch solche Lager gegangen sind, geben erschreckende Beschreibungen: hoher Stacheldraht, Schäferhunde, bewaffnete Wärter, ringsherum Minenfelder. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist völlig unzureichend, die Isolierung von der Außenwelt perfekt, die Arbeit hart (zwölf Stunden täglich Einsatz im Bergwerk, im Steinbruch, beim Ausheben von Bewässerungskanälen, bei Holzfällarbeiten, dazu kommen noch zwei Stunden »politische Erziehung«). Der Hunger ist die wohl schlimmste Folter, die Häftlinge fangen und essen Frösche, Ratten, Regenwürmer.

 

Halten wir an dieser Stelle einen Augenblick inne. Wie bereits bei den innerparteilichen Säuberungen kann man auch hier die Zahl der Opfer nur mit einer ungefähren Größenordnung beziffern. Nach der Schätzung eines Zeugen saßen im Lager Nr. 2 21.0000 Häftlinge ein, fünf Personen starben pro Tag. Wenn wir davon ausgehen, daß die Zahl der Häftlinge in allen nordkoreanischen Lagern zusammen bei etwa 200.000 liegt(10), ergibt dies 100 Tote pro Tag, 36.500 pro Jahr. Mit 45 multipliziert (für den Zeitraum 1953 ‐1998) kommen wir auf rund 1,5 Millionen Tote, die direkt auf das Konto des koreanischen Kommunismus gehen.