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Bruder Petrus (Josef Valentin) Gernert, Missionsbenediktiner

* 14. Februar 1882 Kleinwenkheim (Unterfranken); † 3. Juli 1949 Gefängnis Oksadok

 

Josef Valentin Gernert wurde am 14.2.1882 in Kleinwenkheim Pfarrei St. Nikolaus (Bistum Würzburg) geboren.

Das Taufzeugnis lautet: "Nach hiesiger Pfarrmatrikel ist Valentin Joseph Gernert, ehl. Sohn des Josef Gernert und der Margarete, geb. Schmitt, am 14. Februar 1882 dahier geboren, und am 15. Februar 1882 in hiesiger Pfarrkirche nach katholischem Ritus getauft worden von Hochw. Herrn Pfarrer P. Schloer. Kleinwenkheim, den 4. September 1906, Kathol. Pfarramt, Zimmermann, Pfr."

Josef Valentin hatte vier Geschwister:

1. Justina (verheiratete Braun)

2. Anna, ist ledig geblieben.

3. Helene (verheiratete Sendner)

4. Franz, gefallen 1914.

Er war das fünfte Kind dieser Familie.

 

(Br. Petrus mit seinen drei Schwestern und seinem Bruder. Eine Fotomontage. Dank an Herrn Otto Braun, Herlsheim)

 

In seinem Geburtsjahr (1882 ist die Familie Gernert von Kleinwenkheim nach Herlheim verzogen und hat dort ein kleines Anwesen in der Herlindenstraße 19 gekauft.

 

(Das Anwesen in Herlheim, Herlindenstraße 19)

 

Was geschah mit dem Anwesen in Herlheim? Da sein Bruder Franz im Krieg 1914 gefallen war und Josef Valentin mittlerweile als Bruder Petrus im Kloster war und die drei anderen Geschister das Anwesen nicht übernehmen wollten, übernahm dies sein Neffe Franz Braun (gestorben 1983). Dessen Sohn Otto Braun übernahm das Anwesen am 1. Mai 1966.

 

(Der heutige Neubau anstelle des alten Hauses, Herlheim, Herlindenstraße 19)

 

Herr Otto Braun hat uns diese Informationen am 29. November 2010 übermittelt; ihm verdanken wir auch diese Fotos.

Vorausgegangen war ein Artikel in der MAINPOST vom 29.11.2010): hier

Doch zurück zur Biographie von Br. Petrus:

Nach seiner Schulzeit war Josef Valentin bei verschiedenen Herrschaften als Dienstbote und Knecht tätig.

Im Blick auf seinen beabsichtigten Eintritt in das Konventualpriorat St. Ludwig, erbat er sich ein Sittenzeugnis.

Darin heißt es: "Josef Gernet, nach seiner eigenen Angabe geboren am 14. Februar 1882 in Kleinwenkheim, aber seit 1891 in Herlheim, befindet sich hier in Zeilitzheim seit anfangs 1904 bei einer jüdischen Familie in Dienst und erfreut sich hier eines guten Rufes. Derselbe hat in der letzten Zeit öfters als dies sonst durchschnittlich zu erwarten ist, die hl. Sakramente empfangen und den Gottesdienst auch an Werktagen nach Möglichkeit fleißig besucht. Dies wird dem selben zum Zwecke des beabsichtigten Eintritts in ein Kloster bezeugt. Weiteres ist über denselben hiervororts nicht bekannt. Zeilitzheim, den 8. September 1906, das kaht. Pfarramt."

1908 trat er in das Konventualpnorat St. Ludwig am Main, Vorläufer der 1914 wiedererichteten Benediktinerabtei Münsterschwarzach (Bistum Würzburg), ein.

 

(Br. Petrus mit drei weiteren Mitbrüdern im Priorat St. Ludwig)

 

(Br. Petrus. Ausschnitt aus dem obigen Bild)

 

Am 11. Juli 1909 legte Bruder Petrus seine Profeß ab und wurde am 7. Januar 1911 in das 1909 gegründete Kloster Seoul in Korea ausgesandt. Dort war er zunächst für den landwirtschaftlichen Betrieb des Klosters verantwortlich.

 

(Br. Petrus mit fünf weiteren jungen Missionaren der Abtei Münsterschwarzach. Sie wurden in die Mission ausgesandt und tragen das Missionskreuz.)

 

BR. PETRUS betätigte sich als Ökonom; sein Viehbestand zählte damals fünf Kühe einen Ochsen und gegen zehn Schweine.

Am 13. September 1922 erklärt er schriftlich, daß er mit der vom Hl. Stuhl genehmigten Sanatio seiner zeitlichen Gelübde, die er am 11. Juli 1909 in St. Ludwig, und seiner ewigen Gelübde, die er am 26. August in St. Benedikt in Seoul abgelegt hat, einverstanden ist.

 

(Der Konvent im Kloster Seoul)

 

Nachdem die Verlegung der Abtei von Seoul nach Tokwon in der Nähe der Hafenstadt Wonsan beschlossen war, wurde Bruder Petrus im Jahr 1927 die Bauleitung des neuen Klosters und ab 1931 auch der Bau der großen Abteikirche übertragen.

Aus einer Chronik wurde über Bruder Petrus berichtet: „Bruder Petrus war der große Praktikus und der getreue Ekkehard des Klosters, ein nimmermüder Ökonom und Baumeister".

 

(rechts Br. Petrus Gernert bei der Arbeit in der Ökonomie des Klosters in Korea.)

Die Kirche ist im romanischen Stil erbaut, 57 m lang, wovon Chor und Presbyterium 21 m einnehmen, 19 m breit, hat drei Schiffe (das mittlere 11 m breit) und rückwärts sowie über den beiden Seiten je eine Empore. Die Säulen aus hiesigem Granit wechseln jeweils mit Pfeilern. Die Decke ist eine flache Holzkasettendecke, von unsern Schreinerbrüdern in sauberer Arbeit ausgeführt. Dem Hauptportal ist ein Vorzeichen mit Rundbögen vorgelagert. An den Seitenportalen, die als Eingänge für das Volk bestimmt sind, ist jeweils ein Raum zum Ablegen der Schuhe vorgesehen. Die Türen tragen schöne eiserne Beschläge, die vom Schmiedemeister br. thaddäus eisenring mit seinen Gehilfen in St. Ottilien gefertigt worden sind. Sämtliche Bauarbeiten wurden von Chinesen ausgeführt, während Koreaner die Handlangerdienste leisteten. Und über allem wachte Tag für Tag unser treubesorgter Br Petrus Gernert. ( Quelle Hwan Gab)

 

  

 

Im Archiv der Abtei Münsterschwarzach befindet sich ein Brief von Br. Petrus, aus dem hervorgeht, wie er sich auch um das materielle Wohl seiner Angehörigen kümmert.

Original-Brief-Seite1.jpg

Original-Brief-Seite2.jpg

Brief in Transskription.pdf

 

Nach der Machtübernahme der Kommunisten im Norden Koreas wurde Brudr Petrus in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai 1949 zusammen mit den deutschen Patres, Brüdern und Schwestern des Missionsgebietes nach Pyongyang abtransportiert und kam bald darauf mit der etwa 40 Personen umfassenden Gruppe von Missionaren in das Gefangenen- und Arbeitslager Oksadok. Dort starb Bruder Petrus als erster der Gefangenen an Unterernährung am 3. Juli 1949 im Alter von 67 Jahren. Im Lagerbereich wurde er von seinen Mitbrüdern beerdigt.

 

Bericht unserer Lagerärztin Dr. Diomedes Meffert O.S.B.:

Br. PETRUS GERNERT traf ich nicht mehr selber an. Die Brüder erzählten mir von ihm, daß er bereits im Gefängnis sehr an Durchfall gelitten habe, daß er sich aber ganz still in seiner Ecke in sich zurückgezogen und fast andauernd gebetet habe. Der schwere Aufstieg zum Lager, wo es keine Möglichkeit der Erleichterung gab, als daß die Brüder ihn streckenweise trugen, hat ihn sehr mitgenommen..., meist lag er still betend auf seinem Lager, und in der Nacht vom 2. auf 3. Juli ging er so soll und leise heim, daß es nicht einmal sein Nachbar bemerkte, der dicht neben ihm lag. Er war der erste, der auf einer steinigen Berghalde über unserem Lager sein Grab erhielt. Und als ich zum erstenmal davorstand, dachte ich mit Bangen, wieviele wohl noch daneben zu liegen kämen.

 

 

 

 

Plan des Lagers Oksadoks

(Plan vergrößern)

 

1954 kehrten die überlebenden in die Heimat zurück und fertigten diese Skizze der Gräber an. (Skizze vergrößern)

 

 

Geographic features & Photographs around Oksdaok, in Chang-do, North Korea

 

Oksadok bei Chonchon

 

 

"Still betend in den Tod gegangen. Br. Petrus, Münsterschwarzacher Missionar in Korea, verhungert im Gefangenenlager Oksadok", aus: RUF IN DIE ZEIT, Februar 2009, Seite 19.

 

"Seligsprechung ein Stück weiter. Bruder Petrus Gernert aus Kleinwenkheim fand wie Pater Dr. Lucius Roth den Tod in Korea", in: Saale-Zeitung/Münnerstadt vom 23.2.2010: hier

 

"Für den Glauben eingestanden. Auf dem Weg zur Seligsprechung", Würzburger Sonntagsblatt, Nr. 12/2011, Seite 16: hier

Seite 17: hier

 

 

Steckbrief

 

Ordensname: Bruder Petrus

Nachname: Gernert

Geboren: am 14. Februar 1882

Geburtsort: Kleinwenkheim (Unterfranken)

Noviziat: 4. Oktober 1907

Professort: Münsterschwarzach

Ewige Profess: 11. Juli 1909

Aussendung: 7. Januar 1911

Todestag: 3. Juli 1949

Todesort: Lager  Oksadok

Todesart: Unterernährung

 


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