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Pater Gregor (Ludwig PaulFriedrich) Sorger, Missionbenediktiner

 

* 19. November 1906 Spaichingen (Kreis Tuttlingen); † 15. November 1950 Gefängnis Manpo

 

Ludwig Paul Friedrich Sorger wurde am 19.11.1906 in Spaichingen (Kreis Tuttlingen), das zum Bistum Rottenburg[-Stuttgart] gehört, geboren. Seine Eltern waren Dr. med. Leopold Sorger und dessen Ehefrau Paulina, geb. Haller. Der Vater war Oberamtsarzt und Medizinalrat. Ludwig hatte zwei jüngere Geschwister.


Ludwig Paul Friedrich Sorger, etwas kurzsichtig, besuchte die Volksschule in Ehingen, sodann das Gymnasium in Ehingen, Ulm und Rottweil. Das Abitur legte er in Rottweil ab. Er studierte zunächst fünf Semester Jura in Tübingen, am 16. Dezember 1927 in die Erzabtei Beuron ein. Die erste Profeß (die sog. Zeitlichen Gelübde) legte er am 29. Juni 1929 auf die Erzabtei Beuron ab und wurde damit Mönch von Beuron.

Auch wenn er später in eine Neugründung von Beuron (nämlich Tonogaoka in Japan) ausgesandt werden und einige Jahre in einer Benediktinerabtei einer anderen Kongregation leben sollte (nämlich die Abtei Tokwon, die zur Kongregation der Missionsbenediktiner von St. Ottilien gehörte), so blieb er doch immer Profeßmönch seines Heimatklosters Beuron; und seinem Kloster blieb er bis zu seinem Tode verbunden, wie aus dem Brief von Pater Odilo Ramroth hervorgeht (siehe unten).

Das Philosophiestudium absolvierte er in der Benediktinerabtei Maria Laach, das Studium der Theologie in Beuron. Die Priesterweihe empfing er am 5. August 1934.

 

 

Feier einer Nachprimiz in Riedlingen

Riedlingen, 12. August. Wie schon berichtet, empfing am Sonntag, den 5. August, der Benediktinermönch P. Gregor Sorger in Beuron aus der Hand des hochw. Herrn Erzbischofs von Freiburg die hl. Priesterweihe und brachte dort am 6. August sein erstes hl. Meßopfer dar. Am kommenden Hochfest Mariä Himmelfahrt aber wird derselbe in hiesiger Stadtpfarrkirche ein feierliches Hochamt halten, welchem die Festpredigt durch den hochw. H. P. Athanasius OSB vorausgehen wird. Mit Freuden sehen wir Riedlinger dieser kirchlichen Feier entgegen; dürfen wir doch in dem neugeweihten Pater einen Bürgersohn begrüßen, da dessen Vater von hier stammt. Der hochw. Herr ist am 19. November 1906 in Spaichingen als sohn des verst. Medizinalrates Leopold Sorger geboren und besuchte die Gymnasien in Ehingen und Rottweil. Nachdem a. 1925 die Maturitätsprüfung bestanden hatte, studierte er 5 Semester lang auf der Universität Tübingen Rechtswissenschaft. Da starb a. 1927 seine Mutter weg und deren rascher Tod erschütterte ihn derart, daß er sich von der Welt zurückzog und im Benediktinerkloster Beuron als Novize eintrat. Hier wie in Maria Laach erhielt er seine theologische Ausbildung, um später als Missionär in der neugegründeten Benediktinerabtei in Japan wirken zu können. Im Jahr 1931 starb dessen Vater, Medizinalrat Sorger, Oberamtsarzt in Oberndorf und Rottweil, dessen Leichnam hierher überführt wurde und im Sorgerschen Familiengrab neben der verst. Gattin bestattet wurde. So verbleibt als einziger nächster Verwandte des H. Primizianten dessen Onkel, Hr. Stadtbaumeister a. D. Xaver Sorger von hier, dem unsere herzlichen Glückwünsche gelten." (aus: "Verbo", Riedlinger Zeitung, Nr. 192 vom 19. August 1934).


Im Jahre 1937 wurde Pater Gregor in die Beuroner Neugründung Tonogaoka in Japan entsandt.

 

Kurze Geschichte der Gründung in Japan

"1931 hatte eine Gruppe der Erzabtei Beuron das Kloster Tonogaoka bei Chigasaki in der Nähe von Kamakura südwestlich von Tokyo eröffnet. Obwohl die Gemeinschaft schließlich auf eine Stärke von 13 deutschen Mönchen anwuchs, musste sie im Februar 1940 aufgelöst werden; Hauptgrund war die schwierige Finanzlage, da die im Dirtten Reich erlassenen Devisengesetze die lebenswichtigen finanziellen Zuwendungen aus Deutschland unmöglich machten. Das Kloster wurde unentgeltlich an die koreanische Abtei Tokwon übertragen, die das Grundstück 1943 auf Druck der japanischen Regierung an eine Munitionsfabrik verkaufte" (Roman Paur OSB, Eine kleine Herde. Benediktiner in Japan, in: Erbe und Auftrag, 1/08, S. 33).

 

So finden wir Pater Gregor ab 1940 in Tokwon. Am Seminar der Abtei unterrichtete er Musik, Englisch und Deutsch. Außerdem war er Sekretär von Abt-Bischof Bonifatius Sauer und Organist an der Abteikirche. Bei der Aufhebung Tokwons kam er ins Gefängnis nach Pyongyang, von dort ins Lager in Oksadok bzw. Manpo. In Manpo starb er am 15. November 1950 den Hunger- und Erfrierungstod. (Quelle für diese Informationen: Moll, Helmut., Hrsg., Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Band 2, Paderborn 1999, 1188).

 

 

Sein Lebensende


Am Abend des gleichen Tages wanderten wir in ein neues Lager in der Nähe der Stadt, nach Quanmun-li. Dieses ist ein langgestrecktes Tal in den Bergen, in dem eine Holzbaracke neben der anderen errichtet ist. Offenbar ist es ein Zufluchtsort für koreanisches Militär oder Polizei. Die Baracken sind aus Holz und stecken halb im Boden. Das Dach geht bis auf die Erde und ist mit dünnen Brettchen bedeckt, die freilich nicht aneinander schließen. Einige Dachluken haben weder Glas noch sind sie mit Papier verklebt. Man ist also drinnen wie unter freiem Himmel, nur ist man durch die Baumäste und das Gras, das auf den Dächern liegt, gegen die Flieger getarnt. In einer solchen Baracke werden wir untergebracht. Wie peinvoll zusammengepfercht, Patres, Brüder und Schwestern in einem Raum zusammen! Über die Bretter, die über den Lehmboden gelegt sind, ist etwas Stroh gestreut, daß es von unten her nicht gar so kalt ist. Und doch: wir frieren furchtbar Tag und Nacht. Nach einigen Tagen erhalten wir einen Ofen. Freilich können wir ihn wegen Fliegergefahr nur bei Nacht heizen. Das hat nicht viel Zweck, denn die ganze Wärme geht sofort durch die Dachlöcher hinaus. Aber es können sich wenigstens in der Nacht abwechselnd einige neben den Ofen setzen und sich etwas aufwärmen, bis dann einige andere an die Reihe kommen. Licht haben wir auch keines. Beim Essen brennen wir ein .paar Holzstäbe, damit wir wenigstens unsere Schüsseln finden. Es ist gut, daß es in diesen Tagen wenig schneit, denn das Dach kann uns nicht gegen Schnee schützen. Das enge Zusammengepreßtsein ist furchtbar. Aber wir wärmen uns auf diese Weise gegenseitig, sonst würden wir fast alle erfrieren. Ohnedies erfrieren verschiedenen die Zehen; die Nägel und die Haut fallen ab, nur mehr das rohe Fleisch hängt daran. P. Gregor Sorger (von der Erzabtei Beuron) ist schon am dritten Tage ganz steif. Er verliert das Bewußtsein und stirbt in den Armen der Ärztin am 15. November. Die Kraft von Br. Hilarius nimmt mehr und mehr ab, er stirbt am 12. Dezember. Tags darauf liegt Br. Solanus bewußtlos an seinem Platz auf dem Stroh; bis wir es recht merken, ist er schon tot (13. Dezember). Einige von uns dürfen unter Aufsicht der Polizei die Baracke verlassen, und die Toten begraben. Freilich, der Boden ist so hart gefroren, daß es unmöglich ist, mit dem alten, stumpfen Pickel ein Grab zu schaufeln. Sie decken die Leichen notdürftig mit Schnee zu.                  

                         
Immer wieder, Tag und Nacht, rumoren die Flugzeuge der Südtruppen über unsere Baracken hinweg. Abwehrgeschütze krachen auf allen Seiten. Eingepfercht in diesen engen Raum, niemals die Baracke verlassen dürfen, furchtbar kalt, quälender Hunger, rasselnde Flieger, nicht fliehen können, auf dem Stroh kranke und sterbende Mitbrüder, in der Baracke und draußen vor der Türe ständig ein Polizist mit Gewehr, kein gemeinsames Gebet, keine heilige Messe — ein Elend ohnegleichen. Werden wir mutlos und verzagt? Werden wir hier durch Bomben umkommen? Werden wir Hungers sterben oder alle erfrieren? Lieber Herrgott, schau auf uns in diesem Elend! (Quelle: Schicksal in Korea)

 

Ein Portrait von Pater Gregor Sorger (Gemälde: Frau Gerda Sorger; Foto: Alexander Radulescu)

 

(In der Klosterkirche der Erzabtei BEURON - der klösterlichen Heimat von + Gregor Sorger - befindet sich im auf der rechten Seite im hinteren Bereich ein Gedenkort zu seinen Ehren. Dort liegt ein Buch auf, in dem die Pilger ihre Gebetsanliegen dem Märtyrer anvertrauen und ihre Danksagungen eintragen können. Auch werden dort Gebetsbildchen bereitgehalten.)

 

Bericht unserer Lagerärztin Dr. Diomedes Meffert O.S.B.:


P. GREGOR SORGER. Er war 1940 von Japan nach Korea gekommen und seit dieser Zeit in unserer Mission tätig. Schon der Aufenthalt im Gefängnis griff seine Gesundheit stark an. Von dauernden Durchfällen ermattet, kam er ins Lager und kam auch dort nie mehr recht zur Kraft. Von Natur aus besinnlich und ruhig und von einer geradezu kindlichen Frömmigkeit, hat er nie viel über seine Leiden gesprochen, die wohl zumeist in Überanstrengung und Hunger bestanden. Da er weniger Eignung für praktische Arbeiten zeigte, war er den persönlichen Schikanen der stets zur Arbeit hetzenden Beamten in besonders hohem Grade ausgesetzt, eine Tatsache, die ihm auch seelisch viel zu tragen gab. Allen Lagergenossen ist es wohl unvergeßlich, wie er auf den weiten Wegen zu den Feldern und Weideplätzen stets den Rosenkranz in der Hand trug. Er hat wohl ungezählte Rosenkränze gebetet. Schon die strapaziöse Flucht nach Manpo, die er zu Fuß mitmachen mußte, hatte ihn so sehr geschwächt, daß er bei den häufigen Fliegeralarmen dort im Gefängnis kaum mehr zu den Laufgängen im Hof gelangen konnte. Der Brandbombenangriff auf eben dieses Haus mit seinen furchtbaren Erregungen und der darauf folgende Kreuzweg zu einer notdürftig errichteten Gefangenensiedlung in einem nahen Bergtal zehrten seine letzten Kräfte auf. Unser Gefängnisloch war ein eiskalter, roh gedeckter Raum über dem blanken Erdboden. Zu essen gab es damals nichts als hie und da gesottene Maiskörner, und so ist P. Gregor der Not dieser Tage erlegen, man kann sagen buchstäblich verhungert und erfroren. Das war der 15. November 1950. Für ihn gab es auch keinen Nebenraum mehr, in dem seine Leiche mit Ruhe hätte liegen können. Er lag buchstäblich an der Landstraße in unserer Hütte, jeder mußte sich an ihm vorbei drücken. Es war, als entschuldige er sich noch in seiner bescheidenen Weise, daß er den Platz da wegnehme. Unsagbar arm lag er da, aber er lächelte — es war so ein kindlich-reines Lächeln, das uns, seinen gehetzten Leidensgefährten, sagte: Macht euch nichts draus, das Schönste kommt ja erst! (Hervorhebung von P. Willibrord). Auch er wurde von koreanischen Gefangenen beerdigt. (Quelle: Schicksal in Korea, S. 75).

 

 

Die handschriftliche Todesanzeige

(aus den Unterlagen von Herrn Friedrich Sorger, Riedlingen)

 

"Nach langer Ungewissheit erhielten wir durch unsere aus Korea Ende Januar heimgekehrten Mitbrüder die traurige Nachricht, dass unser lieber Sohn und Mitbruder, der hochwürdige Herr

Pater Gregor Sorger OSB

gestärkt mit den Gnadenmitteln der hl. Kirche, am 15. November 1950 den Entbehrungen der Gefangenschaft im Lager Manpo am Jalu-Fluss erlegen ist.

Seit 1940 weilter er in der Abtei Tokwon (Korea) und wurde mit den dortigen Mitbrüdern im Mai 1949 auf Befehl der nordkoreanischen kommunistischen Regierung in die Gefangenschaft abgeführt.

Er stand im 44. Jahre seines Lebens, im 22. seiner hl. Profess und im 17. seines Priestertums.

Die Seele des teuren Verstorbenen empfehlen wir in hl. Opfer der Priester und dem Gebete der Gläubigen.

Das feierliche Totenofficium und Seelenamt in unserer Abteikirche findet satt am Donnerstag, den 18. Februar 1954, vormittags 9 Uhr.

Beuron, 10. Februar 1954

Erzabt und Konvent."

 

 

 

Brief von Pater Odilo Ramroth OSB:

 

"Frankfurt/Main, den 16. II 1954

Lieber Herr Friedrich Sorger!

Meine Absicht war, Ihnen von Beuron aus schon kurz zu schreiben über Ihren in der Gefangenschaft verstorbenen Bruder P. Gregor. Leider kam es nicht mehr dazu, so will ich es jetzt von Frankfurt aus tun, wo ich bei meinen Angehörigen für einigen Wochen weile. Ich nehme an, daß Sie von Beuron aus erfahren haben, daß am folgenden Donnerstag, den 18. II, vormittags um 9 Uhr in der Abteikirche von Beuron ein feierliches Requiem für P. Gregor gesunden wird. Gerne hätte ich Sie einmal persönlich gesprochen. Vielleicht kommen Sie einmal im Sommer nach Beuron, wo wir uns dann treffen könnten.

Ich war mit Ihrem Bruder P. Gregor schon in Japan zusammen und dann die Jahre hindurch in Korea und in der Verbannung bis zu seinem Tode. In Korea sind wir fast jede Woche einmal miteinander spazieren gegangen. Wir haben uns da auch manchmal über unsere Familienverhältnisse, unsere Jugendzeit und dergleichen unterhalten. Pater Gregor hat in Korea in der Abtei und im Knabenseminar sehr viel gearbeitet. Er war bei den Mittelschülern beliebt und hatte auch häufigen Umgang mit den Studenten der Philosophie und Theologie. Er hatte zu allem ein sehr kollegiales Verhältnis und ihnen in vielen Angelegenheiten geholfen. Er gab Unterricht in Musik, in Englisch und Deutsch. In japanischer Sprache konnte er mit den Koreanern reden, da diese Sprache ja unter der Herrschaft der Japaner alle gut konnten. Zeitweise hatte er bis zu 30 Wochenstunden. Sodann war er noch Sekretär des Hochwürdigsten Herrn Abt Bischof Sauer und Organist in der Abteikirche. Er hatte ein gerütteltes Maß von Arbeit.

Im Gefängnis in Penjang war er zunächst 3 Wochen mit mir, zusammen 18 Mann, in dem kleinen Raum von 8 qm. Bei seiner Größe hat er dort noch mehr gelitten als wir anderen. Als es ihm manchmal schlecht wurde, konnte er in einer anderen Zelle sein mit nur wenigen Mitgefangenen. Die rein koreanische Kost hat er nicht vertragen. Schon im Gefängnis hatte er ständig Durchfall, und diese Krankheit ist ihm bis zum Tod geblieben. Sie hat ihn natürlich außerordentlich geschwächt. Auf dem Transport vom Arbeitslager an die chinesische Grenze Ende Oktober 1950 war er so schwach, daß er manchmal hingefallen ist und mit seinem nicht zu schweren Rucksack nicht mehr allein aufstehen konnte. Pater Gregor hat schwer unter seinem Schicksal gelitten, aber sich doch zur vollen Hingabe an den Willen Gottes durchgerungen. Er hatte seine Befreiung sehr erhofft und auch an Beuron sehr gehangen. Gegen Ende seines Lebens war in Folge der zunehmenden Schwäche seine Lebensenergie stark vermindert. Bei einem Fliegerangriff in Manpo, wo uns die Fensterscheiben einflogen und von der Decke Stücke herunterfielen, seh ich ihn allein in einem Zimmer aufrecht knien und beten. Als wir dann bald darauf durch Brandbomben ausgebombt wurden, kamen wir in elende Holzverschläge, dort hat er die Kälte einer Novembernacht nicht überstanden. Wir fanden ihn erstarrt, aber noch lebend, unsere Ärztin (Anm.: Schwester Diomedes Meffert OSB) rieb alle seine Gliedmaßen, aber es war schon zu spät. Er empfing noch die hl. Letzte Ölung, die hl. Kommunion hatten wir alle etliche Tage vorher empfangen. Die unmittelbare Ursache seines Todes ist Erfrierung, aber sie wäre nicht erfolgt, wenn der Körper nicht schon so sehr geschwächt gewesen wäre. Auch war der Blutkreislauf gestört und das Herz nicht stark.

Nach seinem Tod hatte Ihr lieber Bruder einen ganz himmlischen, engelhaften Gesichtsausdruck, viele von uns waren davon tief beeindruckt. (Hervorhebung von P. Willibrord). Ich selbst hatte von P. Gregor kurz vor seinem Tode noch ein Zeichen ganz besonders herzlicher Güte empfangen dürfen, von dem ich Ihnen einmal mündlich erzählen werde. Pater Gregor war ein sehr lieber Mensch, sehr hilfsbereit und um seinen Nächsten besorgt. Ich werde P. Gregor nicht vergessen.

Von P. Gregor hate ich noch seinen Rosenkranz und ein Kreuz von ihm nach Beuron mitgebracht, es sollte ein Andenken für seine lieben Verwandten sein. Ich denke, daß Du zum Requiem am 18. nach Beuron fahren wirst (sic), dort wird man Ihnen diese lieben Andenken geben (sic).

Noch einmal: es würde mich sehr freuen, Sie, lieber Herr Friedrich, persönlich kennen zu lernen. Es wäre dann Gelegenheit, noch mehr von P. Gregor zu erzählen.

Von Herzen grüße ich Sie und Ihre lieben Angehörigen, mit Ihnen trauernd und betend um Ihren lieben Bruder

Ihr P. Odilo Ramroth OSB"

(Anmerkung: Pater Odilo Ramroth, geboren 29. März 1905, Profeß 8. September 1928, Priesterweihe 20. September 1931; aus: Monachi et Fratres Congregationis Beuronesis OSB, 1947).

 

 

 

Brief von Schwester Diomedes Meffert OSB:

 

"Tutzing, den 28. Febr. 1954

Sehr geehrter Herr Sorger!

Gern will ich Ihnen Ihren Wunsch erfüllen, den mir meine Mitschwester Optata Müller OSB übermittelte, und Ihnen einiges über Krankheit und Tod Ihres verehrten Hochwürdigen Herrn Bruders mitteilen. Über den Verlauf unserer gemeinsamen Gefangenschaft werden Sie im allgemeinen unterrichtet sein. Hochw. Herrn P. Gregor hat diese von Anfang an sehr hart mitgenommen. Schon im Gefängnis hat, wie viele andere, sehr unter chronischem Durchfall gelitten, der ihn sehr schwächte und zu schwereren Arbeiten, die den Hochw. Herrn im Lager ja immer aufgebürdet wurden, von Anfang an unfähig machte. Dieser Durchfall, durch für uns ungewohnte, einseitige und mangelhafte Ernährung hervorgerufen, vermittelte kein starkes Krankheits- sondern nur Schwächegefühl und beeinflußte auch meist den Appetit nicht besonders. So hat Ihr Hochw. Herr Bruder bei seiner großen Statur ein wahres Martyriumdurch den Hunger gelitten. Ich konnte ihm leider fast garnicht helfen (Durchfallmittel, die nicht anschlugen, weil entsprechende Kost nicht gegeben werden konnte - und hie und da eine stärkere Campher-Injektion - das war alles!) Bewundernswert war es, wie still er seine Leiden trug! Die Gottesmutter muß er besonders lieb gehabt haben. Sei es, daß er vom Felde heim kam, oder vor meiner ärmlichen Apothese oder sonstwo warten mußte, immer glitten die Perlen des Rosenkranzes durch seine abgemagerten Finger. Schwächer und schwächer wurde er, dann kam die schreckliche Flucht im Okt. 1950 (Anm.: gemeint ist die Evakuierung nach Manpo). Zeitweilig konnten die Kranken fahren, aber der große Marsch in die Mandschurei und das Hocken bei bitterster Kälte auf den Feldern dort 2 Tage und 2 Nächte, das wurde niemandem erspart. Als wir nach dem Gefängnisbrand in einem ungeheizten Erdloch hausen mußten, wurde er zusehends apathisch und steifer und erlag dem Hunger und der Kälte schon in der 2. Nacht (15. November 1950). Ein engelgleiches Lächeln verklärte das Gesicht des Toten. R.i.p. Ich kann Ihnen nur gratulieren zu Ihrem "Martyrerbruder" (Hervorhebung von P. Willibrord). Möchte dies wenige Ihnen ein kleiner Trost sein.

Mit ergebenem Gruß

Sr. M. Diomedes Meffert OSB"

 

 

Plan des Lagers Oksadoks

(Plan vergrößern)

 

1954 kehrten die überlebenden in die Heimat zurück und fertigten diese Skizze der Gräber an. (Skizze vergrößern)

 

Geographic features & Photographs around Oksdaok, in Chang-do, North Korea

Oksadok bei Chonchon

Imagery of the Manpo Airfield

View of Manpo Village

File:ManpoVillage.jpg

 

Steckbrief


Ordensname: Gregor
Nachname: Sorger
Geboren: am 19. November 1906
Geburtsort: Spaichingen (Diözese Rottenburg)
Professort: Erzabtei Beuron
Profess: 29. Juni 1929
Priesterweihe: 5. August 1934
Aussendung: 1937 nach Japan
Gestorben: am 15. November 1950
Todesort: Lager Manpo an der mandschurischen Grenze
Todesart: Strapazen der Lagerhaft

 

Zeitungsartikel:

F.  Mattes, R. Braungart, Süd-Koreaner wollen Spaichinger Pater seligsprechen (Schwäbische Zeitung vom 13. November 2007 (PDF)

Stefan Blanz, Ein Beuroner Märtyrer in Korea (aus Konrads-Blatt, Kirchenzeitung des Erzbistums Freiburg, Nr. 42 vom 18.10.2009)

"Die Seligsprechung des Paters Gregor Sorger wird eingeleitet", in: Schwäbische Zeitung vom 30. Januar 2010/Nr. 24: hier

"Gregor Sorgers Seligsprechung läuft", in: Schwäbische Zeitung (Riedlinger Lokalausgabe) vom 30. Januar 2010/Nr. 24: hier

"So ist Pater Gregor der Not dieser Tage erlegen", in: Katholisches Sonntagsblatt der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Ausgabe 30/2009: hier

 

(Neben dem Gedenkort für + Pater Gregor Sorger ist eine von Herrn Stefan Blanz konzipierte und gut strukturierte Schautafel angebracht mit folgenden Inhalten:)

Das Martyrium des Beuroner Paters Gregor Sorger in der Koreamission
    Entrée
Im Eingangsbereich der Pforte Plakat mit den wichtigsten Lebensdaten und Verweis auf die Ausstellung.
    I. Herkunft
    a) Die Sorgers – eine Riedlinger Familie
    b) Die Familie – Kindheit mit Stationen
    c) „Aus Liebe zum geistlichen Stande“
    II. Mönch in den 1930er Jahren
    a) Studium in Maria Laach und Beuron/Priesterweihe
    b) P. Gregors Zeit in Beuron
    c) Im Priorat Tonogaoka
    III. Die Koreamission der Ottilianer Kongregation
    a) Aufbau durch Abtbischof Bonifatius Sauer
    b) Die Abtei Tokwon und das apostolische Vikariat Wonsan
    c) Machtwechsel und Stürmung
    IV. Zerstörung der Mission und Passion der Ordensleute
    a) Im Gefängnisloch von Pyöngyang
    b) Das Gefangenenlager Oksadok
    V. Letzte Wege
    a) P. Gregors Tod in Manpo
    b) Erneutes Leiden und Sterben in Oksadok
    c) Heimkehr der Überlebenden
    VI. Seligsprechungsverfahren und Christenverfolgung heute
    a) Martyrium im Kirchenrecht
    b) Informativprozess
    c) Die Situation heute
     VII. Zeugnisse der Verehrung

 

Sie können die Tafeln der Ausstellung sehen: hier

Eröffnung der Ausstellung in Spaichingen: hier

Gedenkgottesdienst zum 60. Todestag: hier

Frau Gerda Sorger malt ein Bild von Pater Gregor Sorger: hier


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