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Pater Dr. Arnulf (Josef) Schleicher, Missionsbenediktiner

* 21. September 1906 Pflaumloch b. Neresheim; † 28. Juni 1952 Gefängnis Oksadok



Josef Schleicher wurde am 21.9.1906 in Pflaumloch, das zum Bistum Rottenburg [-Stuttgart] gehört, geboren. Seine Eltern waren der Landwirt Karl S. und dessen Frau Therese, geb. Gips. S. wuchs mit mehreren Geschwistern auf.


Humanistische Studien absolvierte er in Rottenburg (Martinihaus); in der 5, Klasse absolvierte er das Landesexamen. Im Anschluß daran war er im Konvikt Ehingen, wo er auch das Abitur ablegte.


Josef bat um Aufnahme in St. Ottilien und wurd im Mai 1925 in das Noviziat aufgenommen und erhielt den Ordensnamen Arnulf. Am 15.5.1926 legte er seine zeitlichen Gelübde ab. Die philosophischen Studien absolvierte er in St. Ottilien, die theologischen in Sant' Ansel-mo in Rom, die er 1931 mit der Promotion abschloß. Am 13.7.1930 wurde Frater Arnulf in der Kapelle des Dillinger Priesterseminars von Weihbischof Karl Reth (sede vacante) zum Priester geweiht.


Am 10.4.1932 wurde Pater Arulf nach Tokwon ausgesandt. Er dozierte am dortigen Priesterseminar Dogmatik und Exegese. Er war Novizenmeister und zuletzt Subprior. Er hat die Apostelbriefe ins Koreanische übersetzt. In der Gefangenschaft hielt er seinen Mitbrüdern exegetische Konferenzen. Als Oberer hat er sich im Dienste seiner gefangenen Mitbrüder aufgezehrt. Pater Arnulf starb aus Haß auf den Glauben im Internierungslager Oksadok in Nordkorea am 28.6.1952. Er war der letzte Märtyrer des Kommunismus aus jener Zeit. (Quelle: Zeugen für Christus v. Helmut Moll)

 

Es gibt ein sehr schönes Zeugnis seiner Hochherzigkeit und seiner Spiritualität. Wir besitzen ein Autograph von Pater Arnulf. Er schreibt eine Widmung mit folgenden Worten:

"Märtyrer der Liebe zu werden, ist der schönste Beruf."

Zum Andenken an meine Primiz!

Aus Dankbarkeit und in brüderlicher Liebe


Dein Bruder P. Arnulf OSB.

Bete für mich!"

Diese Widmung findet sich in dem Buch: Adrien Launay M.E., Die koreanischen Märtyrer 1838-1846. Autorisierte Übersetzung aus dem Französischen von P. Reinhold Hoch OSB, Missionsverlag St. Ottilien 1929.

 

Wie wir aus seiner Biographie wissen, wurde Pater Arulf 1930 zum Priester geweiht, in diesem Jahr hat er auch seine Primiz gefeiert und aus diesem Anlaß jene Widmung geschrieben. 22 Jahre später sollte sich sein Berufswunsch, Märtyrer der Liebe zu werden, erfüllen.

 


DIE VERÖFFENTLICHUNGEN DER BENEDIKTINERMISSIONARE IN TOKWON
( P. Dr. Arnulf Schleicher)
Dr. P. Adelhard Kaspar OSB, Münsterschwarzach


Die Abtei zum hl. Kreuz in Yenki wurde von den Kommunisten am 20. Mai 1946, die Abtei St. Benedikt in Tokwon am 9. Mai 1949 unterdrückt. Die Daten bedeuten das Ende einer aufbauenden Missionsarbeit. Die Stationen sind zerstört und ihrem Zweck entfremdet, die Gemeinden sind geschlagen und zerstreut. Am Leben ist nur der Same, der aus dem Wort in den Herzen Wurzeln geschlagen hat. Das Wort aber nahm seinen Weg nicht nur durch das lauschende Ohr, es bot sich auch dem lesenden Auge dar in den Hunderttausenden von Exemplaren der Bücher und Kleinschriften, welche die Missionare von Tokwon und Yenki ihren Gläubigen zur Verfügung stellten. Das literarische Werk der Benediktiner-Missionare in Ostasien ist eine Leistung, die es verdient, in einer Gesamtschau dargestellt zu werden, um so der Vergessenheit zu entgehen. Die Einzelheiten des folgenden Aufsatzes verdanke ich teils eigenen Notizen, die ich während meines Koreaaufenthalts von Juli 1940 bis Januar 1941 aufzeichnete, teils der mündlichen und schriftlichen Information durch die Verfasser selbst und jene Mitbrüder, die um die Materie wissen. Leider war es in manchen Fällen nicht mehr möglich, ganz genaue Angaben beispielsweise über Auflagenhöhe, Erscheinungszeit oder ähnliches zu machen. Vielleicht fällt bei der Lektüre dem einen oder anderen der Beteiligten noch manches ein, ich wäre für eine Mitteilung sehr dankbar.


HEILIGE SCHRIFT


1.  P. Dr. arnulf schleicher (T = Tokwon) Apostelbriefe und Apokalypse.
1. Auflage 1941 - 750 Seiten - 5 000 Stück


Mit der Herausgabe der Apostelbriefe und der Apokalypse durch P. arnulf war die Übersetzung des gesamten Neuen Testamentes in das Koreanische abgeschlossen, da die übrigen Teile durch Übersetzungen französischer Missionare bereits früher ins Koreanische übertragen wurden. Die Evangelienharmonie sollte den katholischen Familien ein Hausbuch sein, während die Kinderbibel hauptsächlich für den Schulgebrauch gedacht war. Die Evangelienharmonie sollte das Leben Jesu hervorheben. Von inhaltlich gleichen Abschnitten wurde jeweils der längere verwendet. Bis auf wenige kleinere eingeschobene Verbindungswörter blieb der Text der Heiligen Schrift unverändert. Es wurden je 1000 Stück in rein koreanischer Schrift und in chinesisch gemischter Schrift gedruckt. Die Auflage konnte vor dem Einrücken der Kommunisten nicht mehr versandt werden. P. kanisius meint, „sie wurde höchstwahrscheinlich von den Kommunisten ver „ast", wie so vieles andere."


KATECHETISCHE UND HOMILETISCHE WERKE


P. Dr. Arnulf Schleicher (T) Homiletisches Handbuch. Vor 1945 verfaßt. 2 Bände.
P. arnulf bot mit diesem Werk den koreanischen Priestern eine Handreichung und Anleitung. Es wurden in demselben Predigten unserer Patres herausgegeben. Der Inhalt war in japanischer Sprache verfaßt. Die Fortsetzung der Reihe konnte infolge der politischen Entwicklung nicht mehr durchgeführt werden.


ASZETISCHE BÜCHER

 

P. Dr. Arnulf Schleicher (T) Betrachtungsbuch.
In Vorbereitung: In Anlehnung an P. benedikt baur und Pater parsch, unter Benutzung der Vorarbeiten von P. Lucius und seiner eigenen Konferenzen für die Novizen.
P. Dr. arnulf schleicher
Leben des hl. Benedikt und benediktinisches Ordensleben.


VOLKSAUFKLÄRUNGS-SCHRIFTEN


P. Dr. Arnulf Schleicher
Welche Religion ist die wahre?
(Heft 8 der geplanten Reihe)
1. Auflage - 1938 - 50 Seiten - 10 000 Stück.
Am 28. Juni müssen wir P. Arnulf auf unserem Lagerfriedhof beerdigen. Wie hat die Polizei ihn vorher noch geschunden und drangsaliert. Da seine Füße schon dick angeschwollen waren, so daß er kaum mehr stehen und gehen konnte, und als er wirklich nicht mehr im Stande war, auf das Feld hinauszugehen, da mußte er dann zu Hause auf dem Misthaufen sitzen und noch einige Tage Mist klopfen, bis er schließlich ganz zusammenbrach. Und wie sein Tod gemeldet wird, da ruft der Hannes, einer der Polizisten: „Um den ist es nicht schad; der hätte doch nicht mehr viel arbeiten können." Für uns ist gerade sein Tod ein schwerer Verlust. Wie oft hat er uns im Lager Konferenzen gehalten über unsere heilige Ordensregel, über den Missionseifer des heiligen Paulus, aber auch über das Gefangenschaftsleben des Völkerapostels. Quelle: Schicksal in Korea  (P. Eligius)


Bericht unserer Lagerärztin Dr. Diomedes Meffert O.S.B.:


P. ARNULF SCHLEICHER, der am Priesterseminar in Tokwon arbeitete, war uns allen wohlbekannt durch seine geistreichen Vorträge, durch Schulungskurse und Exerzitien und durch seine große Hilfsbereitschaft in allen Fällen, wo man ihn brauchte. Er war ein ausgesprochener Geistesarbeiter und hatte weniger Eignung für die Arbeiten des praktischen Lebens. Als Subprior des Klosters Tokwon war er beim Verlassen des Gefängnisses Pyengyang von Rms. Bischof Sauer zum religiösen Obern der Lagergemeinschaft aufgestellt worden. Es war ihm bei seiner geraden Wesensart fast unmöglich, den inneren Protest gegen die furchtbare Ungerechtigkeit, der unsere Mission zum Opfer gefallen war, zu verbergen. Dies zog ihm den Haß unserer Behörden zu. Und da er sich zwar nach Kräften bei jeder Arbeit einsetzte, aber seiner Veranlagung gemäß eben doch nie durch hervorragende Leistungen blenden konnte, so wurde er zum Objekt ständiger Kritik und oft auch gehässiger Schikanen der Wärter. Unter all diesem litt er wohl noch mehr, als unter Hunger und Überanstrengung. Noch den Winter 1951/52 arbeitete er mit den Kohlenbrennern und Holzfällern, aber bei Beginn der Saatzeit kam sein Leiden endgültig zum Ausbruch. Nieren und Herz arbeiteten nicht mehr, eine eitrige Bronchitis machte ihm lange zu schaffen und die allgemeine Körperschwellung nahm erschreckende Formen an. Gerade bei ihm war es fast unmöglich, Ruhe und Schonung zu erreichen. Als er gar nicht mehr gehen konnte, mußte er noch sitzend arbeiten. Man sah, er war vom Tod gezeichnet. Aber weder er noch wir konnten fassen, daß es so sein sollte. Er arbeitete innerlich ständig an Verbesserungen von Missionsmethoden, an Möglichkeiten neuen Missionseinsatzes, an einer Neuerrichtung der von ihm so heiß geliebten Abtei Tokwon und des damit verbundenen Seminars. Er, der sich mit zähem Fleiß ungemein reiches Wissen in den so schwierigen ostasiatischen Sprachen angeeignet hatte, er sollte sterben müssen -? Es war ein furchtbares Ringen für ihn, bis er sich darein ergeben konnte, daß Gott gerade dies von ihm wollte als Grundstein vielleicht für eine neue koreanische Mission. Ungemein qualvolle, aber religiös vertiefte Tage gingen seinem Tode voraus, bis er in der Nacht auf den 28. Juni in Bewußtlosigkeit versank und gegen neun Uhr morgens erlöst wurde.

 

 

 

 

Plan des Lagers Oksadoks

(Plan vergrößern)

 

1954 kehrten die überlebenden in die Heimat zurück und fertigten diese Skizze der Gräber an. (Skizze vergrößern)

 

 

 

Geographic features & Photographs around Oksdaok, in Chang-do, North Korea

 

Oksadok bei Chonchon

 

Pater Arnulf ist nicht vergessen. Die südkoreanische Benediktinerabtei Waegwan, die Nachfolgerin von Tokwon, hat in ihrer Zeitschrift dem Andenken von Pater Arnulf einen Artikel gewidmet. Teil 1 Teil 2.

 

Steckbrief


Ordensname: Arnulf
Nachname: Schleicher
Geboren: am 21. September 1906
Geburtsort: Pflaumloch b. Neresheim
Professort: St. Ottilien
Profess: 15.5.1926
Priesterweihe: 13.7.1930
Aussendung: 10.4.1932
Gestorben: am 28. Juni 1952
Todesort: Gefängnis Oksadok
Todesart: Erschöpfung

 

 

 

 

"Bis zum Ende für die Gefährten geopfert", Artikel in: Katholisches Sonntagsblatt für die Diözese Rottenburg-Stuttgart, Ausgabe 31/32/2009: hier

 

 "Der Märtyrer kommt aus Pflaumloch. Pater Dr. Arnulf (Josef) Schleicher OSB gehört zu den 38 Märtyrern von Tokwon, die jetzt seliggesprochen werden. Artikel aus: Schwäbische Post vom 1. Februar 2010. Mit freundlicher Genehmigung der Schwäbischen Post: hier

 

 "Pater Schleicher wird selig gesprochen". Artikel aus: Augsburger Allgemeine - Rieser Feuilleton vom 13. Februar 2010: hier

 

Gedenkgottesdiest am 15. Mai (4. Sonntag der Osterzeit) 2011

(Frau Schnierer aus Plaumloch hatte sich große Verdienste erworben: durch ihr Engagement war dieser Gedenkgottesdienst zustande gekommen.)

Interview im Vorfeld des Gottesdienstes: hier

Ankündigung in der Presse: hier

Ankündigung: Rieser Nachrichten: hier

Predigt: hier

Fürbitten: hier

Bericht in der Presse: hier

Bericht in der Presse: Rieser Nachrichten: hier

Bilder: hier


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