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Pater Kanut (Benedikt) Graf des Enffans d ´Avernas,
Missionsbenediktiner

 

 

Die Familie des Enffants d'Avernas zählt zum Uradel des einstigen Herzogtums Brabant und ihre Geschichte reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück.

Den ersten Träger des Namens finden wir von 1363 nahe Brüssel als Inhaber eines Lehens der Abtei von Nivelles

Die gesicherte Stammreihe beginnt ein halbes Jahrhundert später mit Henri des Enffans.

1805 setzte sich ein Nachkomme, Adrian, in der Habsburgmonarchie im Herzogtum Steiermark an gründete eine Familie.

 

 

 

 

Adrian (1771-1863)

wurde 1805 in den Reichsgrafenstand (sowie alle seine Nachkommen) erhoben, durch Franz II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation als Reichsgraf des Enffans d'Avernas und Herr zu Ghyssegnies.

Adrian war Kaiserlicher und Königlicher Kämmerer.

Er wurde schwer verwundet imKrieg gegen Napoleon.

1805 wurde Adrian unter die steirischen Landstände aufgenommen und hatte Sitz und Stimme im Landtag.

Biographie von Reichsgraf des Enffans d´Avernas – k u. k Kämmerer-Major eines Kürrassier Reg. der k u. k Reichsarmee vor und nach seiner Kriegszeit: hier als PDF

Auf die 16jährige Dienstzeit des Reichsgrafen (1788-1804) nimmt die Devise "Dat virtus in armis" Bezug, was soviel heiß wie: Tugend zeigt sich im Waffendienst.

 

Benedikt wurde am 11. März 1884 in Schirmdorf (Österreich, Steiermark) geboren.

Seine Eltern waren Heinrich Graf des Enffans d'Avernas und Anna, geb. Gräfin Plaz.Die Eltern verbrachten ihren Lebensabend in Seckau; der Sohn Bruno war in die dortige Benediktinerabtei eingetreten; er ist 1952 als Pater Heinrich in einer Neugründung der Beuroner Benediktinerkongregation in Brasilien gestorben.

Schirmdorf war damals und ist heute auch noch ein Ortsteil der Gemeinde Abstall.

Schirmdorf/Abstall gehörte damals zum Bistum Graz-Seckau wurde 1923 aus der Diözese Graz-Seckau ausgegliedert und in die Diözese Marburg (Maribor) eingeliedert.

Heute gehört jener Landstrich zu Slowenien.

Am 7. April 2006 hat Papst Benedikt XVI drei neue Diözesen in Slowenien errichtet, u. a. Murska Sobota. Gleichzeitig wurde die Diözese Maribor zur Erzdiözese erhoben. Das neue Bistum Murska Sobota (Suffraganbistum der jetzigen Erzdiözese Marior) ist jetzt jenes Bistum, zu dem der Geburtsort (Schirmdorf) und die Pfarrei (Abstall, Apace) gehört.

 

 

Wahrscheinlich hat er das Gymnasium Stella matutina in Feldkirch (Vorarlberg) besucht, wie sein jüngerer Bruder später berichtete; auch weitere Beziehungen zu Feldkirch sind nachweisbar.


Im Jahr 1906 ist bezeugt, daß Benedikt im 3. Semester sich für die Rechtswissenschaft eingeschrieben hat. Sodann wird er aktenkundig als Leutnant bei den Tiroler Kaiserjägern. Ein Brief vom 22. März.1911 bezeugt, daß er um Aufnahme in St. Ottilien gebeten und diese auch erhalten habe; nun sei er daran, sich dorthin zu begeben, jedoch über über Feldkirch, „um dort Exerzitien zu machen".


So trat er, innerlich gerüstet, seine Reise ins Kloster an. Nach mehreren Wochen Postulat wurde er ins Noviziat aufgenommen und erhielt als Ordensnamen Canutus. Er hieß nun Frater Canutus (eingedeutscht Kanut oder Knut). Anscheinend hat er sich als Adeliger einen adeligen Patron, einen heiligen König, erbeten, gleichwie sein Bruder den Markgrafen Leopold gewählt hat.


Am 28. Juli 1912 durfte er seine einfachen ewigen Gelübde ablegen. Das philosophisch-theologische Studium absolvierte er am Lyzeum in Dillingen und an der Universität in München. Die Priesterweihe empfing er am 13. August 1914; wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs wurde er vor Ablegung seiner Ewigen Gelübde zum Priester geweiht.  Als Priester konnte er als Feindgeistlicher eingesetzt werden. Die feierliche Profeß (Ewige Gelübde) folgte am 27. August 1915. Nun war aber inzwischen der Erste Weltkrieg in vollem Gang.

 

Reverendus Pater Canatus war auch Kommandant der Feuerwehr der Erzabtei St. Ottilien.

In der Chronik des Klosters ist zu lesen:

"Am 12. Dezember 1919 brannte es in Unterwindach. Lesen wir in der Chronik nach: "Abends schreckte uns Feueralarm. Der Stadel der Schloßökonomie in Unterwindach brannte vollständig nieder. Alles Futter und der größte Teil der Frucht wurde ein Raub der Flammen. Von der Klosterfeuerwehr waren 20 Mann unter der Führung unseres Feuerwehrkommandanten R.P. Kanut sofort zur Stelle. Außerdem stellten sich noch 5 andere Feuerwehren ein. Leider war das Löschen mit Wasser so gut wie unmöglich, weil bei der großen Kälte das nasse Element gleich zu Eis erstarrte." (Diesen Hinweis verdanke ich Herrn Gerhard Heininger, Windach www.heininger.org)


Am 16. Januar 1921 wurde der junge Benediktiner-Pater in die Neugründung nach Soul ausgesandt. So konnte er seinem leiblichen Bruder nach Seoul nachfolgen. Anders als sein Bruder, der fast 20 Jahre hindurch als Subprior in Seoul und dann in Tokwon seiner Gemeinschaft diente, wurde er ungefähr gleichzeitig der Stationsobere in Naihpyong, bis der kommunistische Terror dem missionarischen Wirken ein Ende bereitete. Die Endstation seines Lebens wurde das Gefängnis von Pyöngyang, dann die Internierung in Oksadok bzw. Manpo, wo er am 6. November 1950 starb und sein Grab fand. (Quelle: Zeugen für Christus v. Helmut Moll)

 

 

Es folgen drei literarische Zeugnisse

 

1. "Tagsüber kamen immer wieder neugierige Besucher aus dem Städtchen, um die »Amerikanischen Kriegsgefangenen«, für die man uns ausgab, zu besichtigen. »Diese sind es, die eure Männer und Brüder im Krieg erschießen«, erklärte die Polizei. Manche beschimpften uns, zeigten die Fäuste. Wir durften ja mit den Leuten nicht sprechen. Aber dem einen oder anderen flüsterten wir doch auf koreanisch zu, daß wir keine Amerikaner, sondern deutsche Missionare seien. Erstaunt darüber, daß wir koreanisch sprachen, beruhigten sie sich ein wenig. Die meisten dieser Mandschu-Chinesen sind ja koreanischer Abstammung und behalten ihre Sprache und Kultur. Zum Glück wurde diese Freiluftgefangenschaft bald beendet. In der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober, der Nacht vor dem Christkönigsfest, brachte man uns auf gleichem Weg wieder zurück nach Manpo in unser Schulgefängnis. Diese Haft mit regelmäßigen Mahlzeiten und stundenweise offenen Türen erschien uns nun geradezu als etwas Heimatliches. Wir waren froh. Alles besser als jenseits des Yalu! Zwei unserer kranken Brüder konnten unmöglich den Weg mit uns nach Manpo zurücklegen. Man versprach, sie am folgenden Tag mit einem Lastwagen zu befördern. Doch dieser ließ sich nicht sehen. So verbrachten die Armen noch eine eisige Nacht auf dem Boden und tags darauf waren sie gezwungen, sich Schritt für Schritt nach Manpo zurückzuschleppen. Wir waren froh, als sie ankamen. Aber Pater Canut d'Avernas, Pater Knut genannt, erlag noch am gleichen Tag den Strapazen. Wir konnten ihn noch eine Weile in einem leeren Schulzimmer nebenan liegen sehen, bis koreanische Gefangene die Leiche wegtrugen. Wer hätte dem Grafensohn ein solches Ende vorausgesagt? Schwester Diomedes meinte traurig, keiner von den sechs, die ihm vorausgegangen waren, hätte so erbarmungswürdig sterben müssen. Er war der siebte, den wir verloren. Nach Manpo zurückgekehrt, nahmen wir unseren alten Lebensstil wieder auf: tägliche Heilige Messe mit Klopfzeichen, Küchendienst und Austeilen des Essens mit Übergabe der Pyxis." (aus: Gertud Link, Mein Weg mit Gott)

 


2. "Die Verpflegung besteht zwar nur aus Mais und Sojabohnen, aber sie ist ziemlich reichlich. Arbeit gibt es hier wenig und auch sonst werden wir nicht allzu strenge gehalten. Das Schlimmste ist das Wasser. Wir haben nur unten in einem Maschinenraum im Keller schmutziges Ölwasser, das den ganzen Boden bedeckt. Das schöpfen wir und verwenden es zum Kochen. Die Folge ist bei den meisten ein schrecklicher Durchfall. Die Schwestern müssen außer unserer Küche auch noch die Mannschaftsküche übernehmen und einige Brüder helfen dabei, weil die Polizisten an der Ehrlichkeit ihrer eigenen Leute zweifeln. Für die Schwestern ist es eine Arbeitszeit von morgens drei Uhr bis nachts zehn Uhr.


Unserm P. Knut D'Avernas hat die Flucht über den Jalu die letzte Kraft geraubt. Er bricht neben uns im Stroh ohnmächtig zusammen und ist tot - am 6. November. Wir dürfen ihn nicht einmal beerdigen. Koreanische Gefangene tragen die Leiche hinaus; wo sie ihn begraben, können wir nicht erfahren. P. Knut ist wohl am armseligsten gestorben." (aus: Schicksal in Nordkorea)

 

3. Bericht unserer Lagerärztin Dr. Diomedes Meffert O.S.B.:

P. KANUT GRAF DES ENFFANS D'AVERNAS war schon seit langen Jahren herz- und nierenleidend. Auch er mußte beim ersten Aufstieg zum Lager wegen eines Schwächeanfalls, mit einer Campherspritze gestärkt, durch einen Ochsen heraufbefördert werden. Er erholte sich allmählich und half, soviel er konnte, bei kleinen landwirtschaftlichen und Küchenarbeiten mit. 1950 versorgte er die Tabakernte und -verarbeitung. Bis zum Tag der Flucht hat er mit Aufwand aller Kraft Kürbisse geschält und geschnitten, die wir dann hinter dem Hause zum Trocknen aufhängten als Winter-Vorrat. Die Flucht selbst war natürlich für ihn in seinem geschwächten, elenden Zustand etwas ganz Furchtbares. Schon beim Abstieg brach er zusammen und konnte nur nach Campher und längerer Rast ins Tal gebracht werden, wo neben dem Fluß Bahnlinie und Landstraße sich hinziehen. Zwar war die Möglichkeit geschaffen worden, daß einige der Kränksten und Schwächsten - darunter auch P. Kanut - mit einem Lastauto nach dem Norden befördert werden sollten; aber sowohl das zirka zwanzigstündige Warten im Freien in dem Trubel der Flüchtlinge und des vorüberziehenden chinesischen Militärs, als auch der Transport selbst waren doch ein ganzes Martyrium für ihn. Dieses Martyrium setzte sich fort in der nochmaligen überstürzten Flucht vom Gefängnis Manpo aus über den Yalufluß hinüber nach China, wo wir, der Kälte, dem Hunger und dem Hohn der Menschen ausgeliefert, drei furchtbare Tage verbrachten. Den Heimweg hatten auch die Kranken zu Fuß gemacht, da hieß es weiter, weiter, wenn man nicht am Wegrand umkommen wollte. Für den Rückweg aber war Platz auf einem Lastauto für die Kranken versprochen. So warteten sie noch eine eisige Nacht auf freiem Feld und mußten dann doch zu Fuß zum Gefängnis in Manpo zurücklaufen. Diese Strapazen haben wohl Pater Knuts Kraft gebrochen. Er wurde von Tag zu Tag schwächer. Am 6. November, während der Mittagsmahlzeit, begann er plötzlich zu röcheln und seine blaubleiche Gesichtsfarbe ließ das Ende ahnen. Noch konnte er die heilige Ölung empfangen, dann verschied er sanft und ohne Todeskampf. Wir hatten keine Möglichkeit, ihn würdig aufzubahren. Bis zum nächsten Tag konnten wir ihn in seinem zu kurzen grauen Gefängnisanzug. auf dem Boden eines leeren Nebenraumes liegen sehen, den Kopf auf einen Holzklotz gebettet. Wir waren ergriffen von der edlen Ruhe und Hoheit, die trotz solcher Armseligkeit der äußeren Verhältnisse über seinem Antlitz ausgebreitet lag. Am 7. kamen koreanische Gefangene und trugen die Leiche weg; wir wußten nicht, wohin. Einer dieser Gefangenen hat später einem unserer Hochw. Patres den Platz genauer beschrieben, wo er begraben wurde, und die koreanische Regierung hat uns vor unserer Abreise aus Korea versichert, Pater Knuts Gebeine mit denen der drei anderen in Manpo Verstorbenen zusammen in ein neues Grab geborgen zu haben.

 

 

 

 

 

Plan des Lagers Oksadoks

(Plan vergrößern)

 

1954 kehrten die überlebenden in die Heimat zurück und fertigten diese Skizze der Gräber an. (Skizze vergrößern)

 

 

 

 

 Geographic features & Photographs around Oksdaok, in Chang-do, North Korea

 

Oksadok bei Chonchon

 

Imagery of the Manpo Airfield

View of Manpo Village

File:ManpoVillage.jpg


 

Steckbrief


Ordensname: Canutus (bzw. Kanut, Knut)
Nachname: Graf des Enffans d ´Avernas
Geboren: am 11. März 1884
Geburtsort: Schirmdorf, Gemeinde Abstall (Steiermark, Österriche)
Professort: St. Ottilien
Profess: 28. Juli 1912
Ewige Profess: 27. August 1915
Priesterweihe: 13. August 1914
Aussendung: 16. Januar 1921 nach Seoul
Gestorben: am 6. November 1950
Todesort: Gefängnis Manpo
Todesart: Strapazen der Lagerhaft

 

 


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