Banner
Intranet

Bruder Hilarius (Benedikt) Hoiß, Missionbenediktiner

* 27. Juni 1888 Unterau (Bayern); † 12. Dezember 1950 Gefängnis Manpo

 

Benedikt Hoiß wurde am 27. Juni 1888 als Sohn des Andreas Hoiß und dessen Frau Maria, geb. Boos in Unterau, das zur Pfarrei Schlehdorf gehört und damit zum Territorium des Erzbistums München und Freising, geboren. Nach der Volksschule lernte er in Unterpeißenberg das Wagnerhandwerk. Der damalige Pfarrer von Unterpeißenberg schrieb am 17. Oktober 1907 für den Eintritt ins Kloster folgendes Sittenzeugnis: „Während seiner Feiertags- und Christenlehrpflicht ging er öfter zu den Sakramenten, als es Vorschrift war, arbeitete äußerst willig in der Werkstatt und wenn nötig in der Ökonomie".

 

In seinem "Lebenslauf" (ohne Datum) schreibt Benedikt:

"Benedikt Hoiß geboren in Unteraus, Gemeinde Schlehdorf, am 27. Juni 1888 als Sohn des Söldners Andreas Hoiß. Als im Jahre 1892 die Mutter an der Krankheit Genickstarre starb, mußte ich die Heimat verlassen und kam zu Mutters Bruder "Michael Boos" nach Eglfing zur Erziehung, welche mit mir so gut waren wie eigene Eltern und auch gut erzogen. Habe in Eglfing die Werktagsschule besucht und die Feiertagsschule 1 1/2 Jahre.

Am 20. Dezember 1902 als der Erziehungs-Vater in Eglfing verkaufte und nach Eberfing kam, kam ich nach Unterpeißenberg, um das Wagner-Handwerk zu erlernen, woselbst ich auch noch 1 1/2 Jahre die Feiertagsschule besuchte. Die Lehre dauerte 3 Jahre. Nachher machte ich in Starnberg die Gesellenprüfung und erwarb mir die Note 1-2.

Nach der Prüfung diente ich in Weilheim vom 9. Februar 1906 bis 30. April 1907, dann in Eberfing zur Aushilfe vom 30. April bis 2. Juni. Dann arbeitete ich vom 11. bis 29. Juni 1907 in St. Gallen in der Schweiz. Meine letzte Stelle war in Luzern in der Schweiz vom 8. Juli bis 28. Sept. 1907. Die Zeugnisse, welche während dieser Zeit verdient habe, sind im beiliegenden Buch zu finden. (Gemeint ist das "Lehr- und Prüfungs-Zeugnis-Buch).

Betreffs der Bedingungen meint der Vater, bauche er nichts zu schreiben, er ist mit allem einverstanden und es ist eine Erklärung zu schreiben unnötig.

Vermögen ist mir von der Mutter 800 M hinausgemacht, was ich vom Vater noch bekomme, kann ich nicht bestimmen, jedenfalls nicht mehr viel, indem uns sechs Geschwister sind, und von der Mutter schon soviel vermacht worden ist.

Möchte noch kurz erwähnen wegen des Fehlers im Schreibnamen: Hoiß schreibt man mit Ringel-es (s), als ich das Schreiben lernte, sagte der Erziehungsvater, man schreibe es scharfen (ß). Jetzt ist der Name überall scharf geschrieben und muß jetzt immer so schreiben."

 

 

Der Pfarrer von Unterpeißenberg, Andreas Hoy, scheibt im Pfarramtlichen Sittenzeugnis vom 17. Oktober 1907:

"Benedikt Hoiß, Wagnergeselle von Unterau bei Schlehdorf, königliches Bezirksamt Weilheim, hat hier als Wagnergeselle sich aufgehalten vom 18.1.1903-5.2.1906 beim Herrn Wagnermeister Hofer in unmittelbarer Nachbarschaft des Pfarrhofes, in enger Freundschaft verbunden mit Johann nunmehr Br. Leo Jungblut von hier.

Hoiß hat während seines Hierseins ein mustergültiges sittlich-religiöses Betragen gepflogen. Während seiner Feiertagsschul- und Christenlehrpflicht ging er öfters zu den hl. Sakramenten als es Vorschrift war, arbeitete äußerst willig in der Werkstatt und wenn nötig in der Ökonomie.

Unterpeißenberg, den 17. Oktober 1907, Andreas Hoy, Pfarrer"

 

 

Sein Aufnahmegesuch:

"Unterau, den 12. Oktober 07

Eucher Hochwürden!

Ich Unterzeichneter erlaube mir meinem inneren Herzensdrage nachzukommen und möchte herzlich bitten um Aufnahme in das Benediktinerklosters St. Ottilien. Es ist schon 3 Jahre mein Gedanke, in dieses einzutreten. Ich möchte nochmals herzlich bitten, wenn möglich am besten bis 15. Novemberoder 1. Dezember.

Zeichne ergebendst

Benedikt Hoiß, Wagner"

 

Seiner Bitte um Aufnahme fügte er auch den "Heimatschein" ...

... und Sonntagsschul-Entlass-Schein ...

... und das ärztliche Gesundheitszeugnis:

"... Benedikt Hoiß von Unterau, Gd. Schlehdorf, 19 Jahre alt, ist körperlich und geistig gesund und mit normal funktionierenden Sinnesorganen ausgestattet.

Derselbe ist auch mit keiner ansteckenden Krankheit und keinen Gebrechen behaftet, welches sein Zusammenleben mit mehreren Personen verhindern würde.

Dieses wird befehls Gesuchstellung um Aufnahmein das Kloster St. Ottilien bezeugt.

Weilheim, den 12. Okt. 1907."

 


Bei der Noviziatsaufnahme erhielt Benedikt Hoiß den hl. Hilarius als Patron für sein klösterliches Leben.

Am 15. August 1910 legte er seine Gelübde ab.

Am 7. Januar 1911 wurde Br. Hilarius nach Seoul in die Mission ausgesandt.

(Dieses Foto zeigt den jungen Bruder Hilarius, wahrscheinlich in Korea. Auf seinem Schoß sehen wir seinen Rosenkranz, den er - nach einem schrifltichen Zeugnis - in seinem Martyrium nicht mehr aus den Händen gelegt hatte: siehe den Brief von Pater Fabian Damm, unten).

 

Er war dort Lehrer in der Handwerkerschule. Er hat mehrere Missionsstationen in Nordkorea und auch im Yenki-Gebiet aufgebaut.

 

Die Familie Geiger aus Schlehdorf hat der Causa einen Original-Brief von Br. Hilarius zukommen lassen, den er 1912 aus Seoul an seine Taufpatin, Frau Maria Geiger, geschrieben hat.

Original-Brief Seite 1.jpg

Original-Brief Seite 2.jpg

Oribinal-Brief Seite 3.jpg

Original-Brief Seite 4.jpg

Text des Briefes in Transskription.pdf

Aus diesem Brief von Bruder Hilarius Hoiß OSB geht hervor:

1. Sein feiner Charakter: Seine Liebe zu Korea und seine Hochachtung vor den christlichen und heidnischen Einwohnern.
•    „Es ist recht schön bei uns in Corea, es sind auch die Leute sehr gut, ob Christen oder Heiden, sie machen mir sehr viel Freude.“
•    „…es ist wirklich eine große Freude zu sehen, wie viele Katechismus lernen und sich auf die hl. Taufe vorbereiten und man muß sich wirklich ein Beispiel nehmen, wie die Christen ihren Pflichten nachkommen, im Gebet, Empfang der hl. Sakramente u.s.w., auch haben sie ein großes Gottvertrauen…“

2. Seine solide Frömmigkeit: Sein Wissen um die Gnade seiner persönlichen Berufung zum Ordensleben und seine Dankbarkeit gegenüber Gott in Bezug auf den Empfang dieser Berufungs-Gnade; außerdem seine Frömmigkeit.

•    „Liebe Patin, es ist wirklich eine große Gnade, welche man nicht genug zu schätzen weiß und dem lieben Gott nicht genug zu danken vermag, für das große Glück, welches einer armen Menschenseele zuteil wird, indem sie in erster Linien durch Gottes Gnade aus der Welt heraus, in die stille Einsamkeit des Klosters geführt wird, um da in die Tugendschule des göttlichen Heilandes zu gehen um ihn besser kennen zu lernen und nachzuahmen; und zweitens, indem einem Menschen auch das Glück zuteil wird, vom göttlichen Heiland hinaus in ein Land geschickt zu werden und die Arbeit zu tun, die er getan, Seelen für den Himmel zu gewinnen.“
•    „Beschließe mein Schreiben im Namen Jesu, Maria und unseres heiligen Ordensvaters Benedikt.“

3. Sein Wissen um die Märtyrer-Kirche von Korea.
•    „Es ist hier wirklich ein gutes Arbeitsfeld, auf welches im vergangenen Jahrhundert viel Märtyrerblut vergossen worden ist, welches tief gewurzelt hat du jetzt herrliche Früchte hervorbringt.“

Freilich konnte er nicht ahnen, daß er selber viele Jahre später mit seinem eigenen Blut das Blut der Märtyrer vermehren würde.

Analyse des Briefes.pdf

 

In diesem Brief erwähnt Br. Hilarius, daß er zur Zeit in der Schmiede mithilft. Auch davon gibt es ein Foto:

(Br. Hilarius in der Schmiede, Seoul)

 

Die Ewige Profeß legte er am 1. November 1913 ab.

Seoul. Die Handwerkerschule des Klosters. In der Bildmitte rechts: Br. Hilarius Hoiß (links neben ihm: Br. Ildefons Flötzinger aus Taiding). Umgeben von den koreanischen Lehrlingen und Mitarbeitern.

 

(Br. Hilarius auf dem Dachstuhl der Abteikirche Tokwon)

(Br. Hilarius konnte auch in besonderer Weise helfen. Die Aufschrift auf der Rückseite des Bildes lautet: "Ich mit einem jungen koreanischen Ehepaar. Es hat geheiratet im April 1933. Zwei Monate nach der Hochzeit wurde sie schwer geisteskrank. Ich habe sie wieder vollständig geheilt. Das Bild wurde nach der Heilung aufgenommen, im September. Er ist 21 Jahre alt,sie 17 Jahre.)

 

Nach Kerkerhaft kam er wegen seines Glaubens in das Internierungslager Oksadok bzw. Manpo. Dort ist er am 12. Dezember 1950 den Hunger- bzw. Erfrierungstod gestorben.( Quelle: Zeugen für Christus v. Helmut Moll)


Das nächste Opfer war Bruder Hilarius Hoiß. Er starb am 12. Dezember 1950. Er hatte uns allerlei schöne und nützliche Dinge geschnitzt. Unser armer Tabernakel und die zum Altar gehörenden Holzleuchterchen zeugten sowohl von seiner Frömmigkeit, wie auch von seiner Kunstfertigkeit. Seine Leiche trugen koreanische Gefangene zum Begräbnis. Gott hat diesen großen Beter sicher gut aufgenommen. (Quelle: Mein Weg mit Gott  /  Gertrud Link)

 

Bericht unserer Lagerärztin Dr. Diomedes Meffert O.S.B.:


Br. HILARIUS HOISS war vom Gefängnis an durch ständigen Durchfall sehr geschwächt und konnte infolge seiner geschwollenen Beine im Lager von Anfang an nur leichte Arbeiten, meist sitzend, verrichten. Er war ein ausgezeichneter Kenner der Heilpflanzen und hatte sich auf Wunsch unseres Hochwürdigsten Herrn Bischofs Bonifatius Sauer besonders mit der koreanischen Flora befaßt. Er gab mir manchen praktischen 'Wink, beschrieb mir die Pflanzen, so gut er konnte und bestätigte die Richtigkeit, wenn ich solche von meinen Streifzügen heimbrachte. Er selbst war unentwegter, dankbarer Abnehmer für Tee, aber auch der konnte ihn nicht retten. Jede freie Minute benützte er, um mit seinen großen, klobigen Händen, denen man eine solche Feinarbeit gar nicht zugetraut hätte, allerlei schöne und nützliche Dinge herzustellen. Unser erster Tabernakel und die zum Altar gehörigen Holzleuchterchen zeugten sowohl von seiner Frömmigkeit, als auch von seiner Kunstfertigkeit. Dann unzählige Pfeifenköpfe, Spazierstöcke für die „Heimreise" usw. Die Flucht nach Mampo verlief für ihn ungefähr so, wie es oben für H. H. P. Knut geschildert wurde. Sein Durchfall nahm bei der hinzukommenden Kälte in den Erdlöchern ganz gefährliche Formen an, was für ihn in der Beengtheit des Raumes ganz besonders qualvoll und peinlich war. So bedeutete der plötzliche Tod in der Morgenfrühe des 12. Dezember 1950 eine wirkliche Erlösung für ihn. Auch seine Leiche trugen die koreanischen Gefangenen zum Begräbnis, aber tags darauf hatten die Unsern Gelegenheit, sein Grab festzustellen. Gott hat diesen großen Beter sicher gut aufgenommen.

 

Martyrium?

Warum können wir im Blick auf das Sterben von Bruder Hilarius von einem Martyrium sprechen?

Dafür gibt es klare Kriteriun der Kirche (siehe auch den Link: Das Konzept des Martyriums)

1. Bruder Hilarius wurde verfolgt und eingekerkert wegen seines Glaubens, und nicht wegen einer politischen Unklugheit; er war auch nicht Opfer eines zufälligen politischen Progroms.

2. Es gibt konkrete Verfolger: das politisch System, repräsentiert in seinen Handlangern.

3. Diese Verfolger handelten aus Haß gegen den christlichen Glauben, gegen Christus und gegen die Kirche.

4. Bruder Hilarius erlitt einen realen, physischen Tod.

5. Bruder Hilarius verharrte nicht nur in seinem Tod, sondern auch vor seinem Tod in den drei göttlichen Tugenden und in der Nachfolge des gekreuzigten Herrn Jesus Christus.

Damit sind die Kriterien eines Martyriums erfüllt.

Wir dürfen Bruder Hilarius als Martyrrer verehren und um seine Fürsprache anrufen.

 

Plan des Lagers Oksadoks

(Plan vergrößern)

 

1954 kehrten die überlebenden in die Heimat zurück und fertigten diese Skizze der Gräber an. (Skizze vergrößern)

 

 

Im Januar 1954 kehrten die Überlebenden aus Nordkorea nach Deutschland zurück.

Pater Fabia Damm war einer der Überlebenden. Er hat seine Erinnerungen niedergeschrieben in dem Buch "Schicksal in Korea".

Dieses wurde jetzt neu aufgelegt. Informationen und Bestellung: hier

Pater Fabian hat einen Brief an Herrn Hoiß, dem leiblichen Bruder von Br. Hilarius geschrieben:

"St. Ottilien, 26.1.1954

Sehr geehrter Herr Hoiß!

Ihr Brief vom25.1.1954 ist heute hier angekommen. Da ich selbst einer der aus Korea zurückgekehrten Missionare bin, hat Vater Erzabt mich gebeten, Ihnen zu antworten. Ihr Bruder, Br. Hilarius, wurde mit uns allen am 10. Mai 1949 verhaftet und war mit uns im gleichen Lager. Er war dorthin noch gesund und rüstig. Doch setzte ihm von Anfang an die schlechte Kost im Lager sehr stark zu und er kam bald von Kräften. Versehen mit den hl. Sterbesakramenten verschied er am 12.12.1950. Er hat uns viel erzählt von Ihnen und seiner Heimat und hoffte immer noch, die Heimat wiederzusehen. Leider hat es Gott anders bestimmt und er hat auch dieses Opfer gern gebracht für die koreanische Mission, in der er so lange und so treu gearbeitet hat. Bruder Hilarius war einer unserer großen Beter und vor allem währende der Zeit seiner langen Krankheit hat er den Rosenkranz kaum mehr aus der Hand gelegt. Er wird für Sie und für uns auch im Himmel weiter beten.

Mit ergebenen Grüßen

bin ich Ihr Pater Fabian Damm OSB"

 

Geographic features & Photographs around Oksdaok, in Chang-do, North Korea

 

 Oksadok bei Chonchon

 

 

Imagery of the Manpo Airfield

View of Manpo Village

File:ManpoVillage.jpg

 

 Die Chronologie seines Lebens (Fassung vom 21.12.2009)

 

 

Bruder Hilarius Hoiß: Einer der sieben Koreanischen Märtyrer aus dem Erzbistum München und Freising. Ein Artikel aus der MKKZ.pfd

 

 "Märtyrer aus Schlehdorf vor Seligsprechung", Artikel in: Tölzer Kurier - Loisachtal vom 3. Februar 2010: hier

 "Märtyrer aus Schlehdorf vor Seligsprechung", Artikel in: Murnauer Tagblatt vom 16. Februar 2010: hier

Steckbrief


Ordensname: Bruder Hilarius
Nachname: Hoiss
Geboren: am 27. Juni 1888
Geburtsort: Unterau/Schlehdorf (Bayern)
Professort: St. Ottilien
Profess: 15. August 1910
Ewige Profess: 1. November 1913
Aussendung: 7. Januar 1911 nach Seoul
Gestorben: am 12. Dezember 1950
Todesort: Lager Manpo
Todesart: Strapazen der Lagerhaft

 


Zurück