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Bruder Solanus (Rudolf) Hermann, Missionsbenediktiner 

* 19. Mai 1909 Thal (Schwaben); † 13. Dezember 1950 Gefängnis Manpo


Rudolf Hermann, Sohn von Pius Hermann, Metallarbeiter, und der Maria, geb. Linder, ist am 19. Mai.1909 in Thal, Pfarrei Illerberg, geboren und wuchs mit vier Geschwistern auf. Zwei der Kinder der Familie waren bei einer schweren Geburt gestorben, ein weiteres als Kleinkind. Rudolf erhielt im Elternhaus und in der Volksschule eine gediegene religiöse Erziehung. Zunächst in der Landwirtschaft tätig, machte er von 1923 bis 1926 eine Lehre als Maler und Lackierer.

(ein Bild, was Rudolf gemalt hat, unten rechts ist die Jahreszahl 1924 zu erkennen, möglicherweise zeigt dieses Bild sein Elternhaus in Thal.)

Er trat dann dem Kolping-Gesellenverein bei, von wo ihm überall ein sehr gutes Zeugnis über sein religiös-sittliches Verhalten ausgestellt wurde.

In dieser Zeit dürfte er sich auch mit der Frage seiner persönlichen Berufung auseinandergesetzt haben.

Aus seinen Lehr- und Wanderjahren gibt es zwei Bilder, die er gemalt hat. Interessanterweise zeigen beide Bilder Klöster, die dem Leben nach der Regel des Hl. Benedikt von Nursia geweiht sind:

(Die ehemalige Benediktiner-Abtei Tegernsee)

(Die heute noch bestehende Benediktinerinnen-Abtei St. Irmentraud auf der Fraueninsel, unten rechts der Namenszug "Rudolf Hermann)

Im Februar 1931 bat er in St. Ottilien um Aufnahme, sofern man ihn für so einen hohen Beruf würdig finde.


Im Noviziat erhielt er den Klosternamen Solanus und legte am 13. Mai 1933 seine zeitlichen Gelübde ab.

Am 7. Juni 1936 folgte die Ablegung der ewigen Gelübde.

Vor der Feier der Profeß hält man eine neuntägige Andacht, die sog. Profess-Novene:

 

Am 11. Oktober 1936 wurde er nach Tokwon in die Mission ausgesandt. Im Dienste der Mission arbeitete er all die Jahre seines Missionsaufenthaltes im Bauhandwerk.


Bei der Aufhebung Tokwons hatte Bruder Solanus zunächst um seines Glaubens willen im Gefängsnis zu Pyöngyang Kerkerhaft zu erdulden, kam dann ins Konzentrationslager in Oksadok bzw. Manpo am Yale-Fluss (an der chinesischen Grenze), wo er am 13. Dezember 1950 den Hunger- bzw. Erfrierungstod starb.

 


Es folgen zwei weitere schriftliche Zeugnisse:

 

Schwester Gertrud Link OSB schreibt: "Dann folgte Bruder Solanus Herman. Er sah kräftiger aus, als sein Herz vermuten ließ. Deshalb wurde er sehr häufig zu den schwersten Arbeiten herangezogen. Am 13. Dezember früh erwachten wir von seinem Röcheln. Als ich zu ihm kam, lag er bereits ohne Besinnung und konnte nur noch das Heilige Öl empfangen. Sein Tod war ein furchtbarer Schlag für uns, da gerade am Tag vorher Bruder Hilarius beerdigt worden war. Dieser Tod umriß so ganz die Hoffnungslosigkeit unserer damaligen Lage." (aus: Link, Gerturd, Mein Weg mit Gott)


"Einige von uns dürfen unter Aufsicht der Polizei die Baracke verlassen, und die Toten begraben. Freilich, der Boden ist so hart gefroren, daß es unmöglich ist, mit dem alten, stumpfen Pickel ein Grab zu schaufeln. Sie decken die Leichen notdürftig mit Schnee zu." ( Quelle: Schicksal in Nordkorea)

 

Bericht unserer Lagerärztin Dr. Diomedes Meffert O.S.B.:


Br. SOLANUS HERMANN, klein, von etwas untersetzter Statur, war er von jeher etwas herzschwach und bei weitem nicht der starke Mann, für den ihn die Polizisten hielten. Er wurde immer mit zu den schwersten Arbeiten herangezogen, war einer der Meistbeteiligten bei der schweren Köhlerarbeit im Winter und bei den Holz- und Bauarbeiten. Erst als er glaubte, gar nichts mehr tun zu können, meldete er sich bei mir und erzählte mir von seinen Leiden. Auch für ihn war die Flucht nach Manpo, die er in diesem Zustand mitmachen mußte, der letzte Stoß. Im Erdhöhlengefängnis lag er meist apathisch in seiner Ecke, meldete sich aber doch, durch den Hunger getrieben, wieder zu freiwilligen Arbeiten draußen bei der Küche, wo doch eher etwas Eßbares zu ergattern war. Wahrscheinlich hat er bei dieser Gelegenheit etwas Ungutes mitbekommen, das einen sehr heftigen Darmkatarrh auslöste, dem seine schwache Herzkraft nicht mehr gewachsen war. Am 13. Dezember früh erwachten wir von seinem Röcheln, und als ich zu ihm kam, war er bereits ohne Besinnung und konnte nur mehr das heilige Öl empfangen. Sein Tod war ein furchtbarer Schlag für uns, da gerade am Tage vorher Br. Hilarius beerdigt worden war: er umriß so ganz die Hoffnungslosigkeit unserer damaligen Lage. Unvergeßlich bleibt mir das liebe Bild von Br. Solanus, wie er im Lager Oksadok Abend für Abend, erschöpft von der Arbeit heimkehrend, noch einen kurzen Besuch im Kapellchen machte. Dies Bild: die müde Gestalt im zerfetzten Gewand, das verrußte Gesicht, die tiefe Sammlung.

 

 

 

Plan des Lagers Oksadoks

(Plan vergrößern)

 

1954 kehrten die überlebenden in die Heimat zurück und fertigten diese Skizze der Gräber an. (Skizze vergrößern)

 

 

Die Totengedenktafe aller Märtyrer mit Todesorten, so auch die Erwähnung der Märtyrer, die in Manpo gestoben sind und dort begraben wurden, darunter auch Br. Solanus Hermann: pdf

 

1954 konnten die Überlebenden nach Deutschland zurückkehren.

Einer der Überlebenden, Bruder Aegidius OSB, schrieb folgenden Brief:

"St. Ottilien, 4. III. 54

Sehr geehrter Herr Hermann!

Wie Sie ja wissen, sind am 22. I. 54 die solange vermissten Missionare aus Korea heimgekehrt. Der Unterzeichnete ist einer von den Glücklichen. Da ich mit Ihrem Sohne, dem ehrw. Br. Solanus all die Jahre in Tokwon und auch in der Gefangenschaft beisammen wa, so obliegt mir geradezu die Gewissenspflicht, Ihnen Nachricht von ihm zugeben. Uns allen war er immer ein lieber und hilfsbereiter Mitbruder. Und gerade mir hat er so viel geholfen. Da infolge der Kriegszeit auch in der Missions nicht mehr gebaut werden konnte, so war auf den Maler eine ruhigere Zeit gekommen. So konnte, und er tat es sehr gerne, Br. Solanus immer einige Stunden im Tage im Garten helfen. Mit Vorliebe arbeitete er an den Obstbäumen und das mit großem Erfolg. Es war dies für uns noch eine verhältnismäßig ruhige Zeit. Unsere gewaltsame Abführung von Seiten der Roten hat dem allen ein jähes Ende bereitet. Es kam die Kerkerhaft. Dies war für Br. Solanus um so härter, als er immer Beschwerden mit dem Herzen hatte. So kam auch er schon sehr geschwächt aus dem Gefängnis. Im Internierungslager tat er mit seinen ganzen Kräftenmit. Doch der Hunger, an dem er schreckich litt, lies ihn immer schwächer werden, dazu kam dann der dauernde Durchfall. Als wir dann im Spätherbst 1950 das Lager verlassen mussten, um in die Mandschurei verschleppt zu werden, da war bei Br. Solanus ein ganz merklicher Kräfteverfall festzustellen. Doch er schleppte sich immer tapfer mit, bis in die Erdhütte, in der er sein Leben beschließen sollte. Es war in Manpo, wie Sie vielleicht schon wissen. Zwei Patres und ein Bruder gingen in kürzester Zeit heim und einen Tag nach dem Tode unseres ehrw. Br. Hilarius ging auch Br. Solanus heim Vater im Himmel.

Die Ursachen waren zunächst große Herzschwäche, dauernder Durchfall und nicht zuletzt die furchtbare Kälte, man kann also sagen: verhungert und erfroren. R.i.P.

Es tut mir leid, dass ich niemand von Ihnen persönlich treffen konnte. Ich war eben auch zu Hause in Ferien. Bin nun seit einigen Tagen wir in St. Ottilien.

Nun hätte ich ein kostbares Andenken von Br. Solanus, nämlich sein Offiziums-Büchlein, das all die Strapazen und Leiden mitgemacht und an Hand dessen sich Br. Solanus immer wieder aufrichtete. War er doch ein grosser Freund der hl. Liturgie, und um so höher schätzte er das Beten in diesem Geiste. Das Büchlein ist freilich schon sehr beschmutzt. Kein Wunder! Schade, dass es nichts erzählen kann. Und ich glaube doch, dass es gerade deswegen vielen zu Ihnen spricht, von Leid und Freudn, die Br. Solanus zuteil wurden. Ich möchte nicht, dass Sie der Anblick dieses Büchleins traurig stimmt, sondern es möge Sie immer erinnern an den großen Sohn und lieben Bruder, der sein Leben opferte um des Heilandes willen, der ihn zu so Großem auserwählte. Heimgekehrt zum Himmel, und da bin ich überzeugt, sind alle Mitbrüder, die in der Gefangenschaft starben, Fürbitter am Throne Gottes für die Mission, für die Heiden und nicht zuletzt für uns. Möge Br. Solanus besonders ein Fürbitter für Euch, seine Lieben, sein. Und das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen in wohlwollenden Ergebenheit. Br. Aedgidius OSB"

 

Geographic features & Photographs around Oksdaok, in Chang-do, North Korea

 

Oksadok bei Chonchon

 

Imagery of the Manpo Airfield

View of Manpo Village

File:ManpoVillage.jpg

 

 

Steckbrief


Ordensname: Bruder Solanus
Nachname: Hermann
Geboren: am 19. Mai 1909
Geburtsort: Thal bei Illerberg, Diözese Augsburg
Professort: St. Ottilien
Profess: 13. Mai 1933
Ewige Profess: 7. Juni 1936
Aussendung: 11. Oktober 1936
Gestorben: am 13. Dezember 1950
Todesort: Lager Manpo
Todesart: Strapazen der Lagerhaft

 

 


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