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Bruder Ludwig (Karl) Fischer, Missionsbenediktiner

* 23. Oktober 1902 Unterstelzhausen (Württemberg); † 11. Oktober 1950 Gefängnis Pjöngyang

 

Karl Fischer wurde geboren am 23. Oktober 1902 in Unterstelzhausen, Pfarrei Marktlustenau im Bistum Rottenburg-Stuttgart. Seine Eltern waren Wendelin Fische rund dessen Ehefrau Helene, geb. Hörner. Er wuchs in einer christlichen Familie zusammen mit sechs Geschwistern auf; drei weitere Geschwister starben bereits als Kleinkinder. Ein älterer Bruder trat bei den Franziskanerbrüdern in Waldbreitbach (Rheinland) ein.

(Familie Fischer: Bruder Ludwig (Karl) das jüngste Kind auf dem Bild, der vierte von rechts)

Nach der Volksschule war er zunächst für drei Jahre als Knecht bei Ludwig Marklein in Marktlustenau. Mit 17 Jahren begann er eine Lehre als Schuhmacher bei seinem Vater, der Schuhmachermeister war. 1922 machte er die Gesellenprüfung  bei Schuhmachermeister Böhm In Krailsheim. Danach arbeitete er als Geselle bei seinem Bruder in Unterstelzhausen.

(Das Geburtshaus in Unterstelzhausen)

„Nachdem ich mir alles reiflich überlegt habe und ich schon lange den Wunsch habe, Gott in einem Orden dienen zu können, so bitte ich um auf Aufnahme“, so schreibt Karl in seinem Aufnahmegesuch am 9. Januar 1923. Der Pfarrer des Ortes schreibt über Karl: „...er ist ein braver und gut erzogener Bursche, dem man im vergangenem Leben nichts Nachteiliges nachsagen kann. Sittlich rein und religiös fromm und gut gesinnt, dürfte er – menschlich gesprochen – sehr gut für das Klosterleben und für den Missionsberuf taugen.“ So kam er als Brüderkandidat nach St. Ottilien. Am 14. Oktober 1923 wurde er in das Noviziat aufgenommen und erhielt den Klosternamen Bruder Ludwig.  Am 15. Oktober 1924, wenige Tage vor Vollendung seines 22. Lebensjahres, legte er die sog. „zeitlichen Gelübde“ ab.  Ein Jahr später, am 27. September 1925, wurde Br. Ludwig nach Seoul ausgesandt, wo er seine handwerklichen Fähigkeiten in den Dienst der dortigen Abtei stellte.  Hier machte er auch seine Ewige Profeß am 15. Oktober 1927. Dieses Kloster wurde in den 20er Jahren nach Tokwon (Nordkorea) verlegt.

 

(Br. Ludwig mit seinen Lehrlingen im Kloster St.Benedikt Tokwon, Korea)

 

„Bald nach Errichtung der Abtei Tokwon (1927) ging man an die Einrichtung einer Druckerei. Eine japanische Druckpresse mit Fußbetrieb war die erste technische Anschaffung.“ 1940 „war der Betrieb um eine weitere Druckpresse japanischer Fabrikation und 2 Handtiegelpressen zu 60x80 bzw. 30x40 cm vermehrt; außerdem waren eine Papierschneidemaschine und eine Typengießmaschine, alle in Handbetrieb vorhanden. Leiter der Druckerei war Br. Ludwig Fischer, der als ausgebildeter Schuhmachermeister nach Korea gekommen war, sich aber rasch und gründlich in das Druckwesen eingearbeitet hatte“ (Hwan Gab, S. 130).


„In der Druckerei der Missionszentrale Tokwon wurden in den Jahren 1945 bis 1949 hauptsächlich religiöse Schriften, Katechismen, Gebetbücher, daneben auch im Auftrag des Tokwoner Bezirkes Formulare für die Polizei und die Behörden hergestellt“ (Schicksal in Korea, S. 28)


Die Aufhebung der Abtei Tokwon


Mit der Vertreibung der japanischen Besatzer durch die russische Armee hält im August 1945 der Kommunismus auch in Korea Einzug. Da ein neues Nationalgefühl erwachte, nachdem das Joch der Japaner abgeschüttelt war, mussten auch die Missionare als Ausländer empfunden werden, eine Antipathie, die sich auch auf die christliche Botschaft übertrug. Dem tiefen Hass gegen alles Christliche fällt schon 1946 die Nachbar-Abtei in Yenki zum Opfer. Die Missionare waren in keiner Weise bereit, dem Kommunismus mit Sympathie zu begegnen. Ihre antikommunistische Einstellung konnte nicht geduldet werden. Trotz strenger Überwachung und zahlreicher Einschränkungen versuchen die Missionare ihr Werk in Tokwon, so gut es eben geht, fortzuführen.


Im Mai 1949 war es soweit, dass die Kommunisten zum Generalangriff übergingen. Ein gut vorbereitetes Programm war ausgearbeitet und wurde schlagartig ins Werk gesetzt durch die radikale Vernichtung des gesamten Missionswerkes. In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1949 besetzte die koreanische kommunistische Geheimpolizei das Kloster Tokwon und verhaftete sogleich die Gruppe der Oberen von Kloster und Priesterseminar, zwei Tage darauf den gesamten Konvent:. Die Geheimpolizei nahm sämtliche Mönche: acht deutsche Patres, 22 deutsche Brüder und vier koreanische Patres, im ganzen also 34 Personen gefangen mit. Sie wurden auf Lastwagen verladen und in verschiedenen Gefängnissen der nordkoreanischen Stadt Pjöngyang eingeliefert.


„Als dem verantwortlichen Vorstand der Druckerei unterschoben ihm die Kommunisten später die Herstellung gegen sie gerichteter Schriften“ (Hwan Gab, S. 130). Geschäftsleiter der Druckerei „war Br. Ludwig, ihm standen ein Bruderpostulant, ein Bruderkandidat und ein Bruderzögling zur Seite; Setzer war ein Nichtchrist aus dem Städtchen Tokwon. Plötzlich - Ende März - wurde ein christlicher Arbeiter und der Setzer verhaftet, die Druckerei wurde geschlossen und versiegelt. Was war geschehen?
Der Haft- und Schließungsbefehl war begründet: Ende des Jahres 1948 oder anfangs 1949 seien in der Klosterdruckerei antikommunistische Werbezettel und Listen einer Geheimorganisation gedruckt worden. Daran sollten sich ein fragwürdiger Christ der Pfarrei, der Setzer und der Bruderpostulant beteiligt haben. Ob der Geschäftsleiter Br. Ludwig von der Schwarzarbeit wußte, die nach Schluß der gewöhnlichen Arbeitszeit an den verschiedenen Abenden ausgeführt worden sein soll, konnten wir nie erfahren. Tatsächlich sah einmal Br. Hilarius eines nachmittags, als er im Walde hinter dem Kloster Arzneipflanzen sammelte, obengenannten christlichen Arbeiter einen mit Papier gefüllten Sack über den Berg schleppen. Er hatte damals Br. Ludwig auf die Begegnung aufmerksam gemacht.


Zehn Tage später wurden auch der Bruderpostulant und der Lehrling ins Gefängnis abgeholt. Der Junge wohnte und schlief im Zimmer des Polizisten, wurde besser verpflegt als die übrigen und durfte auch den Besuch der Eltern empfangen. Br. Ludwig folgte Mitte April in die Untersuchungshaft. Beim Abschied von P. Prior sagte er aus, daß tatsächlich in letzter Zeit in unserer Druckerei illegal - im Sinne der Kommunisten natürlich - gearbeitet worden war. Auch der Bruderkandidat bestätigte dies, als er das Kloster verließ, um zur Erholung nach Hause zu reisen. Ob er seine Heimat im Süden erreichte? Die Polizei war auch hinter ihm her. Als Pater Prior den Konvent über die Vorgänge in Kenntnis setzte, war uns allen klar, daß das Ende des Klosters gekommen war“ (Schicksal in Korea, 28).


Der traurige Abschied


„26 koreanische Brüder und Kleriker, sowie die Seminaristen blieben zurück. Ihnen gab man an, daß man sie aus der Hand der Blutsauger befreit habe. Doch diese hätten lieber gemeinsam mit den deutschen Mitbrüdern das Los geteilt. Tränen standen einem jeden von ihnen in den Augen. (…) Am nächsten Tag hatten sie das Kloster zu räumen und siedelten ins Seminar über, wo sie nach zwei Tagen Hausarrest auf immer das Kloster verlassen mussten. Das vom verhafteten Zellerar übernommene Geld wurde verteilt, was gerade das Fahrgeld für jeden ergab.

 

Tokwon: im Vordergrund das Priesterseminar, im Hintergrund die Benediktinerabtei

(Ansicht vergrößern)

 

Mit den Seminaristen zusammen bildeten sich beim Auszug aus dem Kloster eine Gruppe von ungefähr 100 Mann. Mit traurigem Blick nahmen sie von ihrer Klosterheimat Abschied. Einer aus der Gruppe stimmt die Hymne auf die koreanischen Märtyrer an. Doch keinem war zum Singen zumute. Den Weg säumten viele Christen, die aus den benachbarten Dörfern herbei geeilt waren. Sie wussten, was sie verloren hatten; denn diese Mönche waren es gewesen, die sich vor 20 Jahren hier in Tokwon niedergelassen hatten und ihnen die Frohbotschaft durchs Wort und durch die Tat lehrten. Sie waren es, die die Felder zu fruchtbaren Äckern verwandelt hatten. Die Berge hinter dem Kloster waren nun nicht mehr kahl wie früher, sondern in einen dichten Wald umgewandelt. Das Dorf konnte geradezu als Muterdorf für Korea bezeichnet werden. Diese Mönche waren es gewesen, die unbemittelte Kinder Lesen und Schreiben in den ‚Meerstern-Schulen’ lehrten. Den Kranken spendeten sie Arznei und den Alten schenkten sie im Tokwoner-Altersheim ein bescheidenes Heim. Nicht nur in religiöser Hinsicht, sondern ebenso auf sozialem wie landwirtschaftlichem und handwerklichem Gebiet hatten sich die Mönche Tokwons ein Verdienst erworben“ (P. Beda, Verteibung und Flucht der Mönche aus der Abtei Tokwon, in: Hwan Gab, S. 140).

 

Im Gefängnis


 „Das armseligste Geschick hatte wohl aber Br. Ludwig Fischer im Gefängnis von Pjöngyang zu erdulden. Er wurde des Vorfalles in der Druckerei wegen bereits vor den anderen am Abend des 28.4.1949 gefangengenommen und nach Pyöngyang gebracht. Die ‚Druckereigeschichte’ hatte nichts anderes zu bedeuten, als daß ein Arbeiter, der unter Br. Ludwigs Leitung in der Druckerei arbeitete, nach Arbeitsschluß ohne Wissen des Bruders ein antikommunistisches Flugblatt gedruckt hatte, was später herauskam. Vom ersten Tag an war er in Einzelhaft und hatte nicht die geringste Beziehung zu den anderen Mitbrüdern. Später erst wurde er in der Wäscherei beschäftigt. Bei seiner Schwerarbeit waren seine Strümpfe total zerrissen. Weil das in seinen Augen doch zu schäbig aussah, hat er einen der Wache: ‚Was ist das doch für eine Behandlung. Wenn man zu uns nach Hause Nachricht gibt, wird man von dort mehr schicken als ich nötig habe. Bitte richten Sie das doch aus’. Dabei standen ihm die Tränen in den Augen. Er hat also von den Ereignissen in Tok-won nichts gewusst und sich dorthin gesehnt. Anscheinend hat er sich nicht träumen lassen, daß in seinem Zimmer in der Abtei zu dieser Zeit anstelle des Kreuzes das Bild von KIM Il-SUNG hing“ (Hwan Gab, S. 144f).


„Der Arme hatte keine Ahnung von der Veränderung, daß die Abtei schon kurz nach seiner Gefangennahme zu einer sogenannten ‚Landwirtschaftlichen Hochschule’ verwandelt worden war; daß die Kirche, für das Gotteslob bestimmt, zum Platze der gottfluchenden Propaganda des Kommunismus wurde; daß in jedem Zimmer anstelle von Kreuz und Heiligenbildern das Bild von Jlsung Kim prangte. Am 6. Oktober, eine Woche vor seinem Weggang von Pyengyang, schickte er dem als meinen Stellvertreter in Pyengyang verborgen arbeitenden Bruder einen Brief: ‚Bruder, ich danke Dir für Deinen Brief. Sei doch beruhigt, da es mir gut geht!' (So ein Briefwechsel war äußerst geheim auszutragen!) Unsere Brüder, die in Pyengyang in Gefangenschaft waren, blieben dort bis um Mitternacht des 2. Oktober, also bis 17 Tage vor der Eroberung Pyengyangs durch die südkoreanische Armee. Sie wurden in dieser Nacht mit Lastwagen irgendwohin heimlich abtransportiert. Br. Ludwig scheint erst am 11. Oktober morgens, eine Nähmaschine auf dem Rücken tragend, mit anderen Gefangenen nach Kangke gebracht worden zu sein“ (Schicksal in Korea, S. 119, ohne Autorenangabe).


„Er wurde deshalb im Gefängnis zu Pjöngyang schweren Mißhandlungen unterworfen, denen er am 11. Oktober 1950 erlag“ (Hwan Gab, S. 130).

 

 

Hier ein Brief, von Br. Ludwig im Gefängnis Pyöngyang geschrieben. Dieser Brief konnte - mit anderen Briefen von Pater Prior Lucius Roth - aus dem Gefängnis geschmuggelt werden. Die Briefe befinden sich heute im Archiv der Erzabtei St. Ottilien.

 

Pater Willibrord Driever OSB, Vizepostulator

 

Steckbrief


Ordensname: Bruder Ludwig
Nachname: Fischer
Geboren: am 23. Oktober 1902
Geburtsort: [Kreßberg-]Unterstelzhausen (Württemberg)
Noviziat: 4. Oktober 1907
Professort: St. Ottilien
Profess: 15. Oktober 1924
Aussendung: 27. September 1925
Gestorben: am 11. Oktober 1950
Todesort: Gefängnis Pjöngjang
Todesart: Hinrichtung durch Erschießung

 

"Mit Tricks in die Falle gelockt", Artikel in: Katholisches Sonntagsblatt, Diözese Rottenburg-Stuttgart, Ausgabe 29/2009: hier

 "Hohenloher vor Seligsprechung. Vorbildhaftes Leben von Bruder Ludwig Fischer aus Unterstelzhausen gewürdigt", Artikel im "Hohenloher Tagblatt" vom Februar 2010: hier


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