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Bruder Josef (Benno) Grahamer, Missionsbenediktiner

* 1. Juni 1888 Eisenhofen; † 4. Oktober 1950 im Gefängnis Pjöngyang

 

Als Benno Grahamer am 1. Juni 1888 in Eisenhofen (Gemeinde Erdweg) nahe München als jüngstes Kind in eine Kleinbauernfamilie hineingeboren wurde, hat noch niemand ahnen können, welch wechselvollen Lebensweg das Schicksal diesem Mann bereiten sollte. Dass ein anderer Sohn Eisenhofens, der spätere Weihbischof Johannes Neuhäusler im selben Jahr zur Welt kommt, dessen Schicksal auf so vielfache Weise dem Leben Bennos ähnelt, soll nur am Rande erwähnt werden.

 

(Beschreibung der Kirche St. Alban zu Eisenhofen)

(Ein Stich von Schloß Eisenhofen)

(Ein Stich von Schloß Eisenhofen)

 

Schon die frühe Kindheit Bennos ist sehr bewegt und prägend für seinen späteren Weg. Vier Monate nach seiner Geburt gibt es den ersten Einschnitt in Bennos Leben, als der Vater, Simon Grahamer, 35-jährig stirbt und die alleinige Sorge um das Wohl der sechs Kinder nun auf der Mutter Kreszenz, geb. Bonn, lastet. Es ist vor allem der Glaube an Gott, welcher der frommen Frau Kraft gibt. Familienangehörige schildern die „Grahamermutter“ als hilfsbereit, vielseitig und intelligent: sie half den Leuten mit Kräutern, schrieb eine Chronik der Schloß-Schule von Hof und konnte die lateinischen Messtexte auswendig mitbeten. Ein solider Glaube und Gottvertrauen gingen von ihr aus und prägten die Familie.  Ihre Kinder folgen diesem Vorbild: Vier Kinder haben ihr Leben ganz Gott geweiht und sind in einen Orden eingetreten: zwei Töchter bei den Dillinger Franziskanerinnen und zwei Söhne bei den Missionsbenediktinern von St. Ottilien.

Doch führt der Weg Bennos nicht direkt in ein Kloster. 1901 verlässt er zwar die örtliche Volksschule in Hof mit einem ausgezeichneten Abschluss, die Mittel für eine weiterführende Bildung reichen jedoch nicht. So beginnt Benno am 1. Juni 1902 eine dreijährige Schneiderlehre in Aichach, bei der ihm großer Fleiß bescheinigt wird. Auch als Benno die Arbeit als Schneidergehilfe in Tandern im Dezember 1905 aufgrund von Krankheit - ein ärztliches Zeugnis spricht von Unterleibsleiden - abbrechen muss,  bezeugt man ihm großen Fleiß und vorzügliche Geschicklichkeit. Und so machen ihn diese Lehrjahre, obwohl er sicherlich auch die Anlagen zum Akademiker hatte, zu einem Mann der Praxis. Nach überstandener Krankheit kann er im Juli 1906 eine Stelle bei einer Schneiderei im nahen Welshofen annehmen, die er allerdings bereits fünf Monate später, im November 1906, aufgibt. Der drängende Ruf Gottes, den er während seiner Lehrzeit in sich wachsen spürte, führt ihn auf andere Wege. Sicherlich ist ihm auch sein Bruder Johann ein Vorbild, der schon eine Zeit lang im Kloster St. Ottilien lebt. Pater Petrus Claver (Johann) wurde am 15. Oktober 1905 in das Noviziat der Erzabtei St. Ottilien aufgenommen, ein Jahr später, am 21. Oktober 1906 legte Frater Petrus Claver seine Zeitlichen Gelübde und am 25.3.1909 seine Ewigen Gelübde. Die Feier der Zeitlichen Profess seines Bruders am 21.10.1906 muss auf Benno einen starken Eindruck gemacht haben: er fasst den Entschluss, ebenfalls in das Kloster St. Ottilien einzutreten. Nun ist die Zeit reif: Sein ärztliches Zeugnis wurde am nächsten Tag, dem 22. Oktober 1906, in Altomünster ausgestellt; ein sehr gutes Arbeitszeugnis am 23. Oktober 1906. Bereits am 31. Oktober, zehn Tage nach der Profess seines Bruders, schreibt der 18-jährige Benno in seinem Auf-nahmegesuch:

Da ich mich nun fest entschlossen habe, in das Kloster St. Ottilien aufgenommen zu werden, so bitte ich Hochwürden demütigst um Aufnahme. Ich fühle in mir schon seit drei Jahren den Trieb, mich ganz dem Herzen Jesu und der Mission zu weihen, konnte aber meinen Wunsch nicht zur Ausführung bringen, da ich noch zu jung und die letzte Zeit auch krank war. Jetzt bin ich wieder gesund und glaube, dass Gott mich nur prüfte. Da nun mein Entschluss immer fester und ich mich immer besser ins Kloster hingezo-gen fühle, so glaube ich, dass ich nur im Kloster glücklich werden kann.
Indem ich mich nun ganz dem hl. Herzen Jesu und der lieben Himmelskönigin anempfehle, und hoffe, dass ich bald im Kloster aufgenommen und glücklich werde, verbleibe ich demütigst Ihr ergebener Benno Grahamer.


Seinem Wunsch begegnet man in Ottilien nach diesen Worten mit Wohlwollen. Wir dürfen annehmen, dass Benno bald, wohl noch vor Jahresende 1906 in St. Ottilien eingetreten ist. Im Januar 1907 dürfte er das Postulat, eine einjährige Probezeit, begonnen haben. Am 13. Januar 1908 wurde Benno in das Noviziat aufgenommen und erhielt dabei den Ordensnamen Josef, wohl auch in Erinnerung an seinen mit zwölf Jahren verstorbenen Bruder. Nach dem zweijährigen Noviziat legte er am 16. Oktober 1910 seine Zeitlichen Gelübde ab. Während seines Noviziates legte sein Bruder Frater Petrus Claver seine Ewige Profess ab und wurde am 26.7.1909 zum Priester geweiht.


Doch die Zeit in St. Ottilien währt nur kurz. Ein Jahr später, am 7. Januar 1911, läuft ein Schiff im Hafen von Ge-nua aus – Ziel: Korea. Das Kloster St. Ottilien hatte 1911 in Seoul ein Kloster mit Handwerkerschule gegründet; hier wird Bruder Josef am 23. März 1913 seine Ewigen Gelübde ablegen; diese Gründung wurde im August 1913 zur Abtei erhoben und 1927 nach Tokwon verlegt: dem Ort seines langjährigen und segensreichen Wirkens. Doch zunächst im Kloster Seoul: Bruder Josef soll dort seine praktischen Fähigkeiten bei der Errichtung einer Handwerksschule einbringen. Der Ungewissheit, die in der Ferne auf ihn wartet, begegnet Br. Josef mit Gottver-trauen, und seine praktische Veranlagung sowie die Herkunft aus einfachen Verhältnissen kommen ihm bei seinen neuen Aufgaben zugute. So ist er als gelernter Schneider zunächst für die Ordenstracht und für liturgische Gewänder verantwortlich, wobei die begrenzten Mittel des noch jungen Konvents eine Herausforderung darstellen. Die unzähligen Aufgaben der Gründungsjahre führen ihn unter anderem auch zum Dienst an der Klosterpforte und machen ihn zum Beauftragten der Klosterwerkstätten.

Zum Segen für das Kloster wird Br. Josef allerdings in einem anderen Bereich. Als zu seinen Aufgaben die eines Krankenpflegers hinzukommt, zeigt sich sein Talent auch auf diesem Gebiet. Schnell verbreitet sich sein Ruf als Heiler über die Klostermauern hinweg, und die örtliche Bevölkerung, die dem Kloster zunächst skeptisch gegenübersteht, fasst zunehmend Vertrauen. Besondere Bedeutung hat dies auch für die Mission, da sich so mancher Patient durch den mildtätigen Dienst dem christlichen Glauben öffnet. Ein Hausarzt hatte es ihm ermöglicht, im Gouvernements- und Universitätshospital von Seoul bei Operationen zuzuschauen und mitzuwirken; dabei zeigte er viel Geschick. Mit Unterstützung des staatlichen Hospitals in Seoul, mit dem ein steter fachlicher Austausch stattfindet, erlangt Br. Josef 1928 ein japanisch-kaiserliches Diplom, das ihn zur Ausübung der ärztlichen Praxis berechtigte. Der Ruf Br. Josefs als guter Samariter lässt den Besucherstrom weiter anwachsen, die Kranken kommen nun auch von jenseits der Provinzgrenzen. 1929 errichten die Missionare eine kleine Krankenstation, die 1935 um eine Unterkunft für die Kranken erweitert wird. Der Nekrolog von 1975 berichtet: „Gegen 18000 leidbedrückte Menschen haben alljährlich den weithin bekannten Krankenbruder aufgesucht. Ungezählten hat er durch die hl. Nottaufe das Himmelstor geöffnet.“ Das Krankenhaus schreibt rote Zahlen, da Verpflegung und Arzneien angesichts großer Armut oftmals kostenlos ausgegeben werden. Neben finanziellen Sorgen bringt der rege Andrang Br. Josef an die Grenzen der Belastbarkeit. So kehrt er im Dezember 1931 für  eine halbes Jahr zurück nach Deutschland, um sich selbst in ärztliche Behandlung zu begeben. Nach seiner Rückkehr nimmt er den Dienst mit ungebrochenem Eifer wieder auf und die Heilkunst und die Güte, die er den Hilfesuchenden zukommen lässt, prägen sich tief in das kollektive Gedächtnis ein.


Umso grausamer erscheint das gewaltsame Ende, welches dem Leben von Br. Josef bestimmt ist. Mit der Vertreibung der japanischen Besatzer durch die russische Armee hält im August 1945 der Kommunismus auch in Korea Einzug. Dem tiefen Hass gegen alles Christliche fällt schon 1946 die Nachbar-Abtei in Yenki zum Opfer. Trotz strenger überwachung und zahlreicher Einschränkungen versuchen die Missionare ihr Werk in Tokwon, so gut es eben geht, fortzuführen. Doch schon bald wird Br. Josef unter einem Vorwand als einer der ersten am 28. April 1949 gefangen genommen und in das Gefängnis der Hauptstadt von Pyongyang verbracht (vgl. Hwan Gab, S. 139 und 144); Anfang Mai (8./9. bzw. 9./10. Mai 1949) kames zur Besetzung des Klosters durch die kommunistische Geheimpolizei und zum Abtransport der Insassen.


Es folgt eine fünfmonatige Tortur im Gefängnis von Pyongyang, währenddessen sich die völlig ausgezehrten Häftlinge nur gegenseitig beistehen können. So ist unter anderem überliefert, dass Br. Josef noch versucht hat, den sterbenden Pater Rupert Klingseis zu wärmen, um ihm den Tod zu erleichtern. In Gestalt von Fieber und Unternährung lauert der Tod jeden Tag aufs Neue auf die verbliebenen siebzehn Männer, die in eine 2,5m × 3m große Zelle eingepfercht sind.


Als im Oktober 1950 die UN-Truppen auf den Vormarsch waren, traten die nordkoreanischen Truppen den Rückzug an. In diesem Zusammenhang wurden in den Tagen vom 3. bis zum 11. Oktober 1950 acht Patres und drei Brüder im Gefängnis von Pyongyang von den koreanischen Kommunisten erschossen; dieses Schicksal erlitt auch Br. Josef, der am 4. Oktober 1950 erschossen wurde und als Zeuge für seinen Glauben an Christus starb.


Obgleich die Mission nach der Auflösung des Konvents völlig daniederlag, konnten koreanische Mönche schon 1952 eine neue Abtei gründen. Nach der Liquidierung der Abteien Yenki und Tokwon waren auf teilweise schweren und gefahrvollen Wegen zu Fuß und zu Schiff die nicht gefangenen und umgebrachten koreanischen Mitbrüder, nämlich 18 Brüder und 8 Fratres, dazu eine Anzahl Brüderkandidaten und Weltpriesterkandidaten einzeln oder in kleinen Gruppen, im Laufe von zwei Jahren nach Südkorea geflüchtet, um dort neues klösterliches Leben zu beginnen. Erzabt Chrysostomus Schmid schickte im Jahre 1951 Pater Timotheus Bitterli (1905-1990), ein Schweizer, der Tokwon schon 1947 verlassen hatte, nach Südkorea, um eine Neugründung zu machen. Das war der eigentliche Anfang der Gründung der späteren Abtei Waegwan in Südkorea.


Trotz aller Versuche der Machthaber, den christlichen Gedanken durch Hinrichtungen und Arbeitslager zu vernichten, zeigt sich auch hier: Das Wort Gottes lässt sich nicht in Fesseln legen (2 Tim 2,9). Die Selbstlosigkeit in der Christusnachfolge, die in besonderer Art und Weise auch im Leben Bruder Josef (Benno) Grahamers offenbar wird, ist ein Zeugnis, das nicht vergessen werden darf (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 119).

                                       Stefan Grahamer

 

Dieses Bild entstand 1931/32, als Br. Josef wegen seiner Augenoperation in Deutschland war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pater Petr. Claver Grahamer OSB

* 15.5.1883; Profeß 21.10.1906, St. Ottilien; † 15.8.1940

Sr.  Gosselina Grahamer

Dillinger Franziskanerin

*17.6.1875; † 25.7.1955

Bruder Josef Grahamer OSB

* 1.6.1888; Profeß 16.1.1910, St. Ottilien; † 4.10.1950

 

Familienstammbaum Grahamer (als PDF)

 

Bruder Josef Grahamer: Einer der sieben Koreanischen Märtyrer aus dem Erzbistum München und Freising. Ein Artikel aus der MKKZ.pfd

 

Br. Josef ist nicht vergessen. Die Zeitschrift der südkoreanischen Benediktiner-Abtei Waegwan, die Nachfolgerin von Tokwon, hat dem Andenken von Br. Josef einen Artikel gewidmet. Teil 1 Teil 2.

 

Steckbrief:


Ordensname: Bruder Josef
Nachname: Auer Grahamer
Geboren: am 1. Juni 1888
Geburtsort: Eisenhofen bei Erdweg, Erzdiözese München-Freising
Noviziat: 31. Oktober 1906
Professort: St. Ottilien
Profess: 16. Januar 1910
Ewige Profess: 5. April 1923
Aussendung: am 7. Januar 1911nach Seoul
Gestorben: am 4. Oktober 1950
Todesort: Gefängnis Pjöngyang
Todesart: Hinrichtung durch Erschießung

 

Zeugnisse der Verehrung:

Gedenkgottesdienst: Am 1. Juni 2008 gedachte die Gemeinde Eisenhofen des 120. Todestages von Br. Josef Grahamer, der aus dieser Gemeinde stammt.

Eucharistiefeier

Predigt

Auf der Dekanatskonferenz am 20. Mai 2010 am Petersberg berichtet Herr Ewald Beslte über Leben und Sterben von Br. Josef und über den Stand des Seligsprechungsprozesses: hier

Gedenkgottesdienst. Aus Anlass des 60. Todestages von Br. Josef Grahamer  (24. Oktober 2010) feierte die Gemeine Eisenhofen bei Erdweg (Dachau) einen Gedenkgottesdienst in der Kirche zu Eisenhofen. Dieses Ereignis wurde zusammen mit dem Weltmissionssonntag gefeiert. Pater Willibrord Driever OSB aus der Erzabtei St. Ottilien, Vizepostulator in dieser Causa, zelebrierte den Gotesdienst.

Predigt

Fürbitten


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